Geschlechtertausch in LSD

LSD Galerie Außenansicht. Foto: LSD Galerie

Fünf Künstler, eine Galerie: Mit der Gruppenausstellung „Lucy in the Sky with Diamonds“ eröffnete im September die LSD Galerie Berlin. Noch bis zum 20. Oktober wird hier in kleinem Rahmen Fotografie, Malerei und Installation gezeigt. BLN.FM stellt zwei der Künstlerinnen vor, die auf intensive Bildsprache und Authentizität setzen.

"Etienne" von Melissa Steckbauer, Foto: Sophia Stegmann
"Etienne" von Melissa Steckbauer, Foto: Sophia Stegmann

„Etienne“ heißt der junge, unschuldig dreinblickende Mann, der Frauenkleidung trägt. Malerin Melissa Steckbauer erzählt uns, dass für das großformatige Bild ein Bekannter Model stand, den die Künstlerin kurzerhand in ihre eigenen Klamotten gesteckt hatte. In origineller Weise thematisiert Melissa dabei den Austausch von Geschlechterrollen auf einer direkten, privaten Ebene. Maskuline und feminine Attribute stehen unmittelbar nebeneinander. Männer zeigen weibliche Züge, wenn sie Frauenkleidung tragen und typische weibliche Posen annehmen.Etienne sitzt wie ein Pin-Up mit Händen auf den Knien.

Melissa hat das Bild selbst zerschnitten. Mit den Schnitten erzählt sie von einem impulsiven Gefühlswandel ihrer Arbeit gegenüber. Nicht nur das Bild ist durch die Schnitte beschädigt, auch die abgebildete Person wirkt verletzt. Sie sind nicht nur künstlerisches Mittel, sie kunden auch von einem Überdruss gegenüber den Beschränkungen, welche Malerei und Sujet Melissa auferlegten. Nach der Serie wechselte sie das künstlerisches Medium, gegenwärtig arbeitet Melissa mit einer Kombination aus Fotografie und Collage. „Etienne“ stellt somit eine Art Übergang dar. Auch in ihren aktuellen Collagen, ebenfalls zu sehen in der LSD Galerie, befinden sich fein säuberliche Schlitze. Veränderung und Suche haben also noch nicht ihr Ziel erreicht, vielleicht ist aber aus dem Zeichen für Unzufriedenheit auch ein Markenzeichen geworden.

Rechts: "Abendrot" von Sabine Dehnel. Links: "Barcode" von Viola Kamp. Foto: Sophia Stegmann
Rechts: "Abendrot" von Sabine Dehnel. Links: "Barcode" von Viola Kamp. Foto: Sophia Stegmann

Ein weiterer Blickfang der Ausstellung ist das großformatige, grell-leuchtende Foto einer liegenden Frau, deren Gesicht und Körper in den Farben des Sonnenuntergangs getränkt sind. Sabine Dehnel erklärt uns, wie sie in diesem Bild namens „Abendrot“ zu Stande kam und dabei Fotografie, Installation und Malerei vereint. Den Sonnenuntergang erlebte sie in Kalifornien und übertrug ihn an Ort und Stelle auf Papier. Anschließend stellte sie die Situation in ihrem Atelier nach. Gleich einem Bühnenbild konstruierte sie Wolken, Holzpfähle und Berge aus den ihr zur Verfügung stehenden Materialien und fotografierte die nachgestellte Landschaft mit einem Model. Zusammen mit den grellen, aufgetragenen Schminke der porträtierten Frau wirkt das Bild wie ein Traum.

"Emily" und "Nele" von Sabine Dehnel. Foto: Sophia Stegmann
"Emily" und "Nele" von Sabine Dehnel. Foto: Sophia Stegmann

Andere Bilder Sabine Dehnels zeigen kindlich wirkende Personen, die dem Betrachter den Rücken zuwenden. Mit dieser distanzierten Körperhaltung will die Künstlerin die Anonymität der Figur wahren. Gleichzeitig wird die Interpretation des Betrachters gefordert. Auch hier führen drei Schritte zur Abbildung: Inszenierung, Fotografie, Malerei.

Die Künstlerin Viola Kamp ist mit einem überdimensionalen Barcode vertreten. Dieser Barcode ergibt eingescannt ein Zitat Andy Warhols: „Business Is The Best Art“. Weil es die Bilder in der selbst organisierten Galerie zu kaufen gibt, ist das durchaus eine Botschaft mit Hintersinn. Außerdem stellen die Künstler Anna Lehmann-Brauns und Peter Freitag aus.

„Lucy in the Sky with Diamonds“, Gruppenausstellung bis zum 20. Oktober, Öffnungszeiten: Mi 13- 18h, Do 13- 20h, Fr 13-18h, Sa 13- 16h, (Mo, Di, So geschlossen), Eintritt frei, LSD Galerie Berlin, Potsdamer Straße 65 Berlin-Mitte, U-Bahn: Kurfürstenstraße

(Fotos: LSD Galerie Berlin, Sophia Stegmann)

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