Brenne und sei dankbar!

JugendtheaterBüroBerlin

brenne und sei dankbar“ – so lautet der Titel einer kleinen Wanderausstellung, die seit Juni 2012 im Foyer der Akademie der Künste am Pariser Platz zu sehen ist. Gezeigt werden 12 Plakate, auf denen das Münchner Künstlerduo TESTSET die dramatische Situation der Freien Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland vergegenwärtigt. Grundlage der Ausstellung ist der „Report: Darstellende Künste“, ein über 700 Seiten starkes Dokument, das vom Fonds Darstellende Künste gefördert wurde. Pointiert zeigen die Plakate zentrale Eckpunkte des Berichts: So sind beispielsweise trotz hoher und anspruchsvoller Ausbildung fünf Euro Stundenlohn eine gängige Bezahlung für Theater- und Tanzschaffende. Nicht wenigen bleibt nach 45 Jahren Einzahlung in die Künstlersozialversicherung eine Rente von gerade einmal 427 Euro.

JugendtheaterBüroBerlin„brenne und sei dankbar“ – tatsächlich könnte der Titel kaum treffender sein. Vielerorts (über-)lebt die freie Theaterszene nur noch, weil die Künstler mit höchstem Engagement an die Arbeit gehen, ohne überhaupt Geld dafür zu bekommen. Nun könnte man sagen: „Ist doch nichts Neues!“ Doch angesichts der Zuspitzung der prekären Lage vieler Freischaffender kann man die Situation gar nicht oft genug ins Gedächtnis rufen. Es handelt sich hierbei um einen ernsthaften Misstand, der die Betroffenen an ihre Grenzen treibt. Ganz aktuell betrifft dies das JugendtheaterBüro Berlin (JTB). Die Mitwirkenden an dem Projekt wollen und können den Zustand der Unterfinanzierung nicht mehr verantworten – und protestieren.

Das JugendtheaterBüro ist die einzige Bühne in Berlin, die erfolgreich von Jugendlichen geleitet und bespielt wird. Mit ihren Produktionen waren sie auf dem Theatertreffen der Jugend (TTJ) vertreten und haben im Jahr 2011 das dreitägige Festiwalla veranstaltet. Allein dieses Festival hat über 4.000 Besucher in das Haus der Kulturen der Welt gelockt, vorwiegend aus den Bezirken Moabit, Wedding und Neukölln. Die Theaterarbeit konnte also eine Zielgruppe mobilisieren, die sich sonst vielleicht gar nicht zum Besuch in die „Schwangere Auster“ aufgemacht hätte. Auch in diesem Jahr wird das „Festiwalla“ vom JugendtheaterBüro organisiert. Doch die Bereitschaft, hier ohne Förderung weiterzumachen, ist erschöpft. Seit Juli 2012 gibt es im JugendthaterBüro nur noch eine feste Stelle für die Koordination und 13 Honorarkräfte für das Festival. Der größte Teil der Arbeit (also Theater, Technik, Werkstatt, Film und Büro) wird ehrenamtlich geleistet.

Stetig hat das Projekt, wie alle anderen kleinen Träger auch, um seine Existenz gekämpft. Jetzt aber ist es an dem Punkt angekommen, an dem die Mitwirkenden nicht mehr weiter können und wollen. Getreu dem Motto des diesjährigen „Festiwalla“ „Echte DEMO!KRATIE wagen“ werden sie öffentlich protestieren. Am Mittwoch (5. September) und Donnerstag (6. September) werden im JugendtheaterBüro zahlreiche Szenische Lesungen und Diskussionen stattfinden. Am Donnerstag sind mit dabei: Mutlu Ergün, Ahmed Shah und Zülfikar Çetin. Für alle, die mehr wissen und mitdiskutieren wollen, finden hier Näheres zu Programm und Hintergründen.

(Fotos: © JugendtheaterBüro Berlin)

Protesttermine im Überblick:

  • Mittwoch, 5. September, 18 – 20 Uhr
    Szenische Lesung “Was echte DEMO!KRATIE wagen?! Was Sprachwoche?!” im JugendtheaterBüro Berlin, Wiclefstraße 32, 10551 Berlin-Moabit.
  • Donnerstag, 6. September, 18 – 20 Uhr
    Lesung und Diskussion “echte DEMO!KRATIE wagen” mit Ergün Mutlu, Ahmed Shah und Zülfukar Cetin im JugendtheaterBüro Berlin, Wiclefstraße 32, 10551 Berlin-Moabit.

Ausstellung:

  • „brenne und sei dankbar“ noch bis zum 30. September 2012 im Foyer der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin. S- und U-Bahn: Brandenburger Tor. Täglich 10 – 22 Uhr, Eintritt frei.

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