Downhill auf drei Rädern

Die Räder vibrieren auf dem asphaltierten Boden. Menschen ziehen in einem Affenzahn an mir vorbei, erstaunte Blicke, begeisterte Jubelrufe – ein bisschen fühle ich mich wie ein tollkühner Tour de France-Fahrer. Mit dem Unterschied, dass ich am Rande von Berlin und statt auf zwei auf drei Rädern unterwegs bin. Mein Sommer steht ganz im Zeichen des Funsports und führt mich heute zu den idyllischen Hängen am Teufelsberg. Hier, vor der Kulisse der ehemaligen amerikanischen Radarstation, testen die Jungs von Spleenworks die aktuellen Modelle ihres „SkidCruisers„. Die speziell umgebauten Dreiräder sind die Newcomer des Jahres im Bereich Trendsport und sorgen für puren Nervenkitzel, wenn es mit bis zu 50 km/h den Berg hinunter geht.

Angefangen hat alles mit einem Video aus Neuseeland, erinnert sich Sebastian Schultze, Geschäftsinhaber von Spleenworks. „Da sieht man ein paar Jungs auf umgebauten BMX-Rädern einen Berg runterschottern.“ Sofort war für den gelernten Metallbau-Handwerker klar: Dieser Trend muss auch nach Europa. Das Problem: Bisher gab es die sogenannten „Drift Trikes“ nur als Eigenbauten – eine Marktlücke, die Sebastian mit seiner Leidenschaft fürs Fahrradbauen füllen wollte. Aus der Idee wurden schnell konkrete Pläne. In einer kleinen Lagerhalle im Süden Berlins tüftelte er in Eigenregie an den ersten Prototypen. Nach vielen Testfahrten und Umrüstungen steht der serienreife „SkidCruiser“ zum Verkauf bereit: Ein robuster Rahmen, der die Last während des Fahrens auffängt, hinten zwei spezielle Kunststoffräder, die so wenig Gripp auf der Straße bieten wie möglich. Denn einfach nur den Berg runterfahren war gestern. Beim ruckartigen Einlenken mit der Gabel bricht die hintere Achse zur Seite aus. So kann man bei hoher Geschwindigkeit auf dem Asphalt driften oder sogar ganze 360-Grad-Drehungen hinlegen. Was halsbrecherisch klingt, ist dank der stabilen Konstruktion dennoch ein Spaß mit hohem Sicherheitsstandard. „Die Rahmen  sind so gefertigt, dass ein Umkippen oder Überschlagen ausgeschlossen ist“, erklärt Sebastian Schulz. „Auch absolute Anfänger kommen sicher den Berg hinunter und sind danach sofort vom Drift-Fieber gepackt“.

Tricks, wie den „Side Wheelie“, bei dem der Cruiser auf zwei Rädern in Seitenlage auf der Straße liegt, überlasse ich aber doch lieber Flo und Normen, den Teamfahrern von Spleenworks. Die beiden testen, ob die selbstgebauten Bikes auch den Anforderungen des Sports genügen. Dabei sind sie nicht gerade zimperlich. „Die beiden nehmen auch schon mal eine Halfpipe auf der Skateanlage, um zu gucken, ob die Dinger halten.“ Was den Einsatzbereich angeht, gibt es noch viel Potential. „Was der ‚SkidCruiser‘ kann, ist noch lange nicht ausgereizt“, verrät Sebastian. „Das Modell soll definitiv noch universeller einsetzbar werden.“ Bis die Pläne ausgereift sind, begnüge ich mich erst einmal mit der Privatstraße am Teufelsberg. Schon das dritte Mal fahren die Jungs mit ihrem Jeep und einem kleinen Tross an „SkidCruisern“ im Schlepptau den Berg hinauf. Ich mittendrin. Oben angekommen, bringt jeder sein Fahrzeug in Position, dann geht es als rollende und driftende Armada die steilen Hänge hinab. Es genügt schon, den Lenker leicht einzuschlagen, sofort beginnen die beiden Kunststoffräder zu sliden. Unten angekommen, wartet dort schon die nächste Gruppe Fahrlustiger.

Seitdem Spleenworks den Drift-Sport auf drei Rädern nach Berlin geholt hat, kommen Anfragen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, so dass der kleine Betrieb gut beschäftigt ist, um mit der Produktion hinterherzukommen. Und auch die Community wächst rasant. Noch für dieses Jahr ist eine Promotour quer durch Deutschland geplant. Wer Lust auf einen Trendsport mit extrem hohem Spaßfaktor hat, sollte sich einen Testtripp auf den Bikes von Spleenworks nicht entgehen lassen.

Aktuelle Termine für Testfahrten findet ihr auf der FacebookseiteZu kaufen gibt es den „SkidCruiser“ auf www.spleenworks.de

Foto: Philipp Messinger, http://philipp-messinger.com

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