Shrubbn!! – Echos

Shrubbn!! - Echos - Cover15 lange Jahre hat es gedauert, bis Shrubbn!! mit einem Debüt aufwarten. Hinter dem Projekt, das zuvor nur ein paar kaum beachtete Singles veröffentlicht hatte, stecken Ulli Bomans alias Schieres und Marco Haas, besser bekannt als T.Raumschmiere. Wo sich der Logik nach Partytauglichkeit erwarten ließe, da überrascht die LP „Echos“ nun mit ruhigen Tönen. Mit deprimierenden, könnte man fast sagen. Denn die Farbpalette, mit denen die zwei Produzenten agieren, reicht lediglich von Rabenschwarz bis Aschgrau. Sie pinseln die Stimmung eines unmotiviert verbrachten Katervormittags zu frostiger Temperaturenlage. Das ganze Album strahlt einen sterilen, kalten Vibe aus. Mit Dancefloor, Four-to-the-Floor oder Electropunk hat „Echos“ so gut wie gar nichts zu tun.

Bierselige Bratzigkeit und ein gelackter Hochglanzsound hatten die beiden offenkundig nicht im Sinn. Auch wenn hier und dort – etwa auf dem treibenden Echo 2/4 – verrockte Momente auftauchen zeigt sich „Echos“ primär als Experimentierfeld. Die Computer haben Bormans und Haas links liegen und dafür die Synthies sprechen lassen. Über spartanische, schleppende Beats fiepsen, klicken, klacken und sausen Soundschnipsel hin und her. Das erinnert nicht selten an die Collagen eines Conrad Schnitzler, vielleicht als würde dieser auf den kargen Ambienttechno Biospheres improvisieren. So niederschlagend „Echos“ in seiner Grundstimmung ist, so faszinierend ist es als klangliche Erfahrung. Bei Shrubbn!! steckt die Rafinesse im Detail, nicht in den größeren Strukturen.

Einen gewissen skizzenhaften Charakter können die Tracks jedoch nicht loswerden. Denn die Grundgerüste für die einzelnen Songs sind entweder bis zur absoluten Verhaltensunauffälligkeit redundant oder aber schlicht zu kurz geraten. Die Beats blubbern oder kratzen manchmal etwas lustlos vor sich hin. Zwischen Langatmigkeit und Interludecharakter pendelt „Echos“ also hin und her, manchmal mit mehr Erfolg wie auf dem grandiosen Echo 4/3 oder Echo 6/2 mit seinen warmen Bassläufen, manchmal mit weniger. Eine großartige Idee wie das technoide Echo 3/1 wird nicht ausgebaut, die harschen Beats von Echo 1/3 werden hingegen bis zum Overkill durchexerziert.

Der stimmlichen inneren Geschlossenheit steht auf „Echos“ eine musikalische Widersprüchlichkeit gegenüber. Schlaffe Beats treffen auf ausgedehnte Klangexperimente, fantastische, kompakte Songs müssen immer wieder den Staffelstab an unfertige Studiofantasien abgeben. Shrubbn!! liefern mit „Echos“ einen bedrückenden Beitrag für die Leere nach der Afterparty, allerdings muss sich der unterkühlte, industrielle Stil noch festtreten, bevor er wirklich zum Faszinosum wird. 15 Jahre braucht es dazu hoffentlich nicht.

Preview:

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Tracklist:

A1) Echo 4/4
A2) Echo 7/4
A3) Echo 2/4

B1) Echo 3/3
B2) Echo 5/3
B3) Echo 4/3

C1) Echo 1/3
C2) Echo 2/3
C3) Echo 6/3
C4) Echo 3/1

D1) Echo 6/2
D2) Echo 5/2
D3) Echo 1/4
D4) Echo 8/4

(Shitkatapult)

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