Pan-Pot: Echt nette Jungs

Was muss gute Werbung leisten? Richtig: sie muss unterhalten. Das hat man offensichtlich bei der Berliner Techno-Schmiede Mobilee verinnerlicht, denn zusammen mit der Compilation „Mobilee Back To Back Vol. 6“ erscheint auch der Film „Pan-Pot – The Documentary“. Die Produktion, die den Anschein erweckt, ein ernstzunehmendes Künstler-Porträt der beiden Techno-Produzenten Pan-Pot aus Berlin zu sein, bedient den Unterhaltungsanspruch in geradezu vorbildlicher Art und Weise.

Sebastian Radlmeiers Film erzählt im Grunde die Erfolgschichte zweier echt netter Jungs: Tassilo Ippenbergers Heimat liegt am beschaulichen Chiemsee, Thomas Benedix stammt aus Templin, jenem ostdeutschen Städtchen, das einem meist als Geburtsort der Bundeskanzlerin geläufig ist. Sie lernen sich an der Berliner Medienhochschule SAE kennen und produzieren erste Tracks zusammen. Regisseur Radlmeier begleitete die beiden ein Jahr lang auf ihrer Tour und erzählt nebenbei die Geschichte ihres Aufstiegs. So kommen etwa Label-Chefin Anja Schneider und ihr Partner Ralf Kollmann zu Wort und berichten, wie das Mobilee die beiden Newcomer entdeckt hat. Bei einer komplett entvölkerten Party, zu der Pan-Pot eingeladen hatten, steckten sie Anja ihr Demo-Tape zu. Und sie war sofort hin und weg.

Der nun folgende beispiellose Aufstieg wird von Freunden und Bekannten des Produzentenduos, etwa DJ-Kollege Sebo K., Musikwelt-Celebrity Markus Kavka oder Model und Musikerin Eva Padberg kommentiert. Alle sind sich einig: das sind echt nette Jungs. Und tatsächlich sind die Hauptdarsteller als Sympathieträger die große Stärke des Films. Es macht wirklich Spaß, die beiden Glücksritter auf ihrem Weg nach oben zu begleiten. Vom Berliner Watergate ins Amnesia auf Ibiza, rund um die ganze Welt bis zum Sonár-Festival in Barcelona. Dabei kann sich der Zuschauer davon überzeugen, dass Pan-Pot wirklich technisch versierte DJs und Produzenten sind, die sich mit Leib und Seele dem Musikmachen verschrieben haben.

Als kritischer Zuschauer erwartet man jedoch, dass auch in einem illustren Künstlerleben nicht immer alles eitel Sonnenschein ist, dass ein Künstler manchmal vor einem Auftritt angespannt und schlecht gelaunt ist, dass er seine Umgebung anraunzt, dass er kurzzeitig keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß hat. Selbst treu ergebene Fans dürften sich eine realistische Darstellung der starken und schwache Momente ihres Idols wünschen, denn erst mit Ecken und Kanten wird der Künstler als menschliches Wesen greifbar. Und dies ist schließlich Sinn und Zweck eines Künstlerporträts. Doch was muss gute Werbung leisten? Sie muss unterhalten, wie gesagt, und nicht etwa den kritischen Blick schärfen. Und so versteckt sich hinter „Pan-Pot – The Documentary“ ein gut gemachter, wunderbar unterhaltsamer Werbefilm, der Pan-Pot gepudert und dressiert in Szene setzt. Und der immerhin mal wieder richtig Lust macht, tanzen zu gehen.

„Pan-Pot – The Documentary“ erscheint zusammen mit der Compilation „Back To Back Vol. 6“ am 26. März 2012 bei Mobilee Records.

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