Bonobo – Black Sands Remixed

Bonobo-Black-Sands-Remixed-CoverDie Rückwärtsgewandtheit von Popmusik ist ein derzeit heiß diskutiertes Phänomen in den Feuilletons großer Tageszeitungen und kleiner Spezialmagazine. Man braucht nur einen Blick in die eigene digitale Musiksammlung oder Plattenkiste zu werfen, und schon wird klar, dass dieser Gedanke nicht allzu weit hergeholt ist. Haufenweise Coveralben, Best-Of-Veröffentlichungen, Revivals von einst tot geglaubten Helden, Re-Issues, Re-Edits und auch Remix-Compilations laden ein zu Nostalgie und Wiederentdeckung, zu Nabelschau und Neu-Interpretation.

So mögen einige sicher die Stirn runzeln, wenn sie vom „neuen“ Bonobo-Album erfahren. Denn dieses hat zwar eine ganze Reihe an Neuheiten zu bieten, das Tracklisting umfasst aber nur zwei wirklich neue, das heißt bisher unveröffentlichte Tracks von Simon Green selbst. Der Rest sind Remixe von Tracks seines letzten Albums „Black Sands“. Des Kaisers neue Kleider sind hauptsächlich von fremden Schneidern – und trotzdem Maßanzüge feinster Manufaktur! Oder auf gut deutsch: Ninja Tune hat offensichtlich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ein Dutzend erstklassiger Interpretationen eines eh schon erstklassigen Albums in Auftrag zu geben.

Man darf sicher nicht erwarten, dass sich dabei alles wie aus einem Guss anhört, denn gerade die Variation und das Neuarrangement der Songs will ja das Interessante sein. Und so eröffnet das Intro von „Black Sands Remixed“, der „Lapalux’s Finger on the Tape Remix“ auf seine ganz eigene Art, er schleppt und quetscht und quietscht sich nur so durch sein Vorbild hindurch. Angenehm erschöpft, aber durchaus dankbar trifft man im zweiten Track dann auf akustische Gitarre und Andreya Trianas Gesäusel in Banks‚ Remix von „The Keeper“, das sich als tieffliegende Bassschubse mit Stolperbeat entpuppt. Großes Ding.

Cosmin TRG schraubt sich ebenfalls sehr tief in „Kiara“ hinein und vertraut dabei auf seinen straighten Style, den er schon mit „Simulat“ ausformuliert hatte. Es folgen drei von insgesamt vier Interpretationen von „Eyesdown“ – wohlgemerkt nacheinander. Während Floating Points eine jazzig-futureske Variante anbietet und DELS einfach mal über den Track rappt und guckt, was da so passiert, holt der ARP 101 Remix einfach mal alles an Wonkyness raus, was nur irgend möglich scheint. Zweifelsohne einer der besten Tracks des Remixalbums, vor allem, weil man zum Kopfnicken lange keine so freshen, so perfekt schlampigen Beats mehr genießen durfte. Da kann auch das durchaus gefällige Kickdrumgeballer von Machinedrums Version nichts mehr ausrichten.

Ohne jetzt alle Tracks einzeln durchzukauen, lässt sich ein erstklassiges Prädikat für das vielseitige Remixprojekt vergeben. Einzig Falty DLs Beitrag wirkt enttäuschend, denn er klingt wie eine lieblos ausgewählte Skizze, die einfach nur mit dem Mainsample aus dem Original von „All in Forms“ zusammengeführt wird. Dann doch lieber Miike Slotts ambitionierter Glitch des gleichen Stücks oder einen der beiden gewohnt harmonisch-organischen Tracks von Bonobo selbst.

Preview :

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Tracklist:

  1. Prelude (Lapalux’s Finger on the Tape Remix)
  2. The Keeper (Banks Remix)
  3. Kiara (Cosmin TRG Remix)
  4. Eyesdown (Floating Points Remix)
  5. Eyesdown (ARP 101 Remix)
  6. Eyesdown (feat. Andreya Triana & DELS)
  7. All In Forms (FaltyDL Remix)
  8. Ghost Ship
  9. Stay The Same (Mark Pritchard Remix)
  10. Eyesdown (Machinedrum Remix)
  11. All In Forms (Mike Slott Remix)
  12. Stay The Same (Blue Daisy ‚Not Quite the Same‘ Remix)
  13. Brace Brace
  14. Black Sands (Duke Dumont’s ‚Grains Of Sand‘ Reconstruction Edit)

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