Raven! Wofür eigentlich?

Das Audiolith-Zugpferd Egotronic bringt dieser Tage ein neues Album an den Start. Der Kopf des Trios, Torsun, hat mit Co-Autor Kulla das Buch „Raven wegen Deutschland“ geschrieben. Und schließlich gibt es oben drauf auch noch die Doku „Schlägerei zum Thema“. Warum das alles? 10 Jahre Egotronic! Ganz einfach. Zeit für eine kleine Rückschau!

Nach einigen Selbstversuchen erscheint 2006, ganze fünf Jahre nach Gründung der Band, das Debüt „Die richtige Einstellung“. Ein Jahr später folgt das stilprägende Album „Lustprinzip“ inklusive ihrer Hymne „Raven gegen Deutschland“ und mit der Zeile „ Alltag raus, Video rein, so kannst Du ruhig glücklich sein, ich will beim 4/4 stampfen, mich in Ekstase tanzen“ im Titeltrack:

Die Nische ist gefunden: Raviger Electropunk mit kritischen, teilweise antideutschen Texten auf C64- und Atari-Sounds. Mit dem anschließenden, selbstbetitelten Album in 2008 klauen sie – natürlich ganz im Sinne des Punk – vom The Clash Klassiker „London Calling“ und eröffnen mit dem Song „Berlin Calling“. Sie dürfen sowas – denn trotz offenkundiger Zitierwut, werden die Ravepunker akzeptiert. Im Song „Kotzen“ holen sie sich dazu noch die Hardcore-Punk-Legende Walter Schreifels ans Mikro. Der „Ausflug mit Freunden“ aus 2010 setzt den Erfolg weiter fort. In Text und Ton bleiben sie dabei konsequent ( „Wenn das Schiff morgen untergeht, was soll’s?“).

Egotronic polarisieren und sorgen für Unverständnis. Das zeigt sich schon in bissigen, feindseligen Videokommentaren auf YouTube. In einigen Fällen wurde die Funktion komplett deaktiviert. Trotz Streit steht aber fest: Sie sind eine der ersten deutschen Bands, die die Punk-Attitüde mit Ravekultur verbunden haben und letzten Endes publikumstauglich machen.

Nun folgt nach hunderten von abgefeierten Konzerten und etlichen durchzechten Nächten mit „Macht keinen Lärm“ Album Nr. 5.  Auch hier haben sie sich von anderen bedient. Dieses Mal bei den Hamburger Lokalhelden von Angeschissen. Das passt. Die berauschten Wahlberliner laden mit Madsen zum „Planet Disco“, schippern mit Superpunk auf der Bismarck und lassen in einigen Skits zwischendurch Weggefährten zu Wort kommen und von früher erzählen.

Wer also etwas für antifaschistischen, ravigen und ehrlichen Elektropunk übrig hat und frei nach „Party Hard, Die Young“ lebt, kann „Macht keinen Lärm“ auf laut stellen. Gerade auch, weil der mitgelieferte einstündige Dokumentarfilm über das zehnjährige Bestehen der Band anzuschauen lohnt. Die letzte Dekade der Anti-Bewegung zurückzuverfolgen, kann nicht verkehrt sein!  Zum Nachlesen gibt es dann auch noch das Buch „Raven wegen Deutschland“ aus dem Ventil Verlag. Und bei Audiolith kann man frische Egotronic-Shirts ordern (oder gleich alles zusammen). Das klingt ja fast schon nach Kommerz!

Im Herbst gehen Egotronic wieder ausgiebig auf Tour, die sie am 17.12. in den Magnet Club führen wird.

Preview:

http://soundcloud.com/torsun/egotronic-album-snippet-macht

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