Cosmin TRG – Simulat

Als TRG machte sich Cosmin Nicolae einst in Sachen Dubstep mit legendären Tracks wie „Broken Heart“ auf Hessle Audio oder „Everything we stand for“ auf Cool and Deadly Records einen Namen. Seit circa zwei Jahren trägt der Rumäne nun seinen Vornamen vor dem Pseudonym und lotet mit knackigen Clubcuts die Grenzen zwischen House, Techno, Garage und Bassmusic aus. Die inhaltliche Weiterentwicklung hat ihm nicht geschadet, ganz im Gegenteil: Seine Scheiben finden sich in den Cases von DJs aus Bukarest, Berlin und Bristol, als Remixer und DJ ist Cosmin TRG gefragt wie nie zuvor. Nun hat er seinen Erstling in Albumlänge vom Stapel gelassen. Dass er DJ-taugliches Clubfutter produzieren kann, das hat er mit seiner bunten Palette an EP’s und Maxis deutlich unter Beweis gestellt. Nun fragt man sich: kann er auch Album?

Das gute Stück ist Ende August auf Modeselektors Label 50 Weapons erschienen, enthält 12 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von circa einer Dreiviertelstunde und zeugt als properes Destillat von einer ganzen Menge produktiver Studiosessions. So weit die Formalia. Inhaltlich hört man eigentlich über die gesamte Albumlänge hinweg präzisen, lupenreinen Techno, mit Erfahrung in den Fingerspitzen produziert und in sämtlichen technoiden Spielarten ausformuliert: deep-verspielt, stampfig-düster, flächig-treibend, bissig-bassig. Sogar ein wenig Funk blitzt an manchen Stellen durch, aber so schnell, dass man nur den Hauch davon im Ohr kitzeln spürt. Keine Frage, der Mann weiß sein Handwerk zu schätzen und DJs mit dem richtigen Material auszurüsten.

Dieser 12-Tracker treibt voran, das spürt man von Anfang ganz deutlich. Er schiebt und er zerrt, er fordert Aufmerksamkeit ein und Hörgewohnheiten heraus, er bietet Neuinterpretationen traditioneller Muster und umgekehrt. Insofern alles paletti, und doch sind es dramaturgische Elemente, die man als Hörer wie als Kritiker gleichermaßen vermisst. Die ersten zwei, drei Stücke sind etwas unglücklich platziert, weil für den Einstieg schlichtweg zu heavy – es werden Erwartungen nach einem späteren Höhepunkt geschürt, der dann leider nicht eingelöst wird. Und zugleich wird so unnötigerweise das Einfinden in ein Album erschwert, das eigentlich erst ab der fünften Nummer so richtig an Fahrt aufnimmt. „Fizic“ auf der Sechs rockt, gar keine Frage und auch kein Wunder, dass es als Single bereits ausgekoppelt wurde. Es spielt mit diesem lieblichen Flächen-Flavour, den Joy Orbison damals mit „Hyph Mongo“ salon- und feuilletonfähig gemacht hatte und entpuppt sich schließlich als treibendes Schwergewicht mit ordentlich Tiefgang.

Auch der letzte Track „Form over Function“ sorgt mit seiner tiefbohrenden Analogschraube für einen überraschenden Moment zum Abschied. Für sich stehend können die Tracks sehr viel, sie sind durch die Bank solide und feinfühlig produziert, teils sogar State-of-the-Art. Doch der rote Faden, die erzählte Geschichte, das verbindende Element, der dramaturgische Kontext – wie auch immer man es nennen möchte – auf „Simulat“ wartet man darauf leider vergeblich. Und doch geht man bei Produzenten von der Kapazität eines Cosmin TRG von einem solchen Rahmen aus. Was bleibt von diesem Longplayer, sind mehr als eine Handvoll gelungener Hochkaräter, die aus Produktionssicht ihresgleichen suchen. Alles Einzelgänger zwar, aber von ihrem Erzeuger mit der Fähigkeit ausgestattet, sich geschmeidig und ohne falsche Scham in die DJ-Sets dieser Welt einfügen zu können.

Preview:

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Tracklist:

  1. Amor Y Otros
  2. Ritmat
  3. Infinite Helsinki
  4. Want You To Be
  5. Interstellar Inflight Entertainment
  6. Fizic
  7. Star Motel
  8. Less Of Me, More Of You
  9. Osu Xen
  10. Lillasyster
  11. Samiska
  12. Form Over Function

(50 Weapons)

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