Wer lacht da an Berlins Häuserwänden?

Wer nicht ganz blind durch die Stadt läuft, hat ihn mit Sicherheit schon einmal gesehen. Vor allem in Friedrichshain-Kreuzberg ziert er unzählige Häuserfassaden, Zäune oder Klotüren in Clubs und lacht einen an. Oder aus? Das ist Prostie. Und besonders gerne macht er sich über Juppies und Touristen lustig.

Das Motiv ist immer ähnlich: oft sieht man nur Prosties Kopf, einen lachenden Smiley. Manchmal ist er aber auch in voller Gestalt anzutreffen und interagiert mit einem anderen Smiley-Männchen: zeigt mit dem Finger auf ihn, lacht ihn aus oder mit ihm zusammen.

 

Ein genaues Bild der Smiley-Invasion in Berlin kann man sich jetzt in der  Westberlin Gallery in Berlin-Mitte machen. Sie präsentiert die erste eigene Ausstellung des Street Art-Künstlers „Mein lieber Prost“ unter dem Titel: „The Street Never Ends, the Art Never Dies“.  Dort findet man seinen Schützling Prostie in vielen verschiedenen Kontexten und Variationen. Mal als Bild, mal als Kollage, mal als Fotografie. Unter den ungefähr 100 ausgestellten Werken gibt es jedoch auch allerlei andere Dinge zu erkunden, die man aus dem Alltag kennt und die von „Mein lieber Prost“ auf ironische Weise manipuliert wurden. Wie aus der Beschriftung „Nutella“ bei „Prost“ „Alle Nutten“ wird? Seht es euch an. Ein Schmunzeln kann man sich bei seinen Neukreationen nicht verkneifen.

Die künstlerische Karriere von „Mein lieber Prost“begann mit 5 Jahren. Da tunkte er neugierig seinen Finger in einen Topf Fahrrad-Öl seines Vaters. Dieser Finger konnte nicht anders, als sich die nächstbeste Wand zu suchen, und sich daran auszulassen. Ein  zukünftiger Street Art-Künstler war geboren. Die „Prostie“-Smileys, die ihm schließlich Berühmtheit bescherten, entstanden damals aus dem Versuch heraus, Selbstportraits anzufertigen.

Doch jetzt steht der Smiley im Straßenbild für eine ironische, gesellschaftskritische Sichtweise. Der Berliner Künstler will damit die Großstadtbewohner, die wie Zombies durch die Stadt irren, aufwecken, und seinen Ekel vor Menschen ausdrücken, die nach Berlin kommen um ihr eigenes kleines beschränktes Universum aus Eigentumswohnungen und dicken Autos auch hier hinzuklotzen.

Touristen mag Mein lieber Prost auch nicht. Die nerven ihn, ganz besonders die betrunkenen, die ständig die Straßen blockieren und respektlos seien, weil sie immer wollen, dass man Englisch mit ihnen spricht. Aber auch die Berliner selbst bekommen ihr Fett weg. Sie kommen den Touristen auch noch entgegen indem sie sich auf Englisch mit ihnen unterhalten. „Vielleicht aus alter Verbundenheit, weil das Ausland sie von Hitler befreit hat“, spekuliert Prost.

Ob nun die Touristen das wahre Übel der Stadt sind, sei dahin gestellt. Ein bisschen mehr Gastfreundlichkeit und eine höhere Toleranzgrenze können sicher niemandem schaden! Denn wenn wir von einer derart hinreißenden Stadt wie Berlin wüssten, würden wir sicher auch in Scharen anrücken, um sie zu erkunden. Insofern: Keep Smiling, lieber Herr Prost!
Westberlin Gallery, Brunnenstrasse 56,  Berlin-Mitte, U-Bahn: Bernauer Strasse, bis zum 17.9.2011, Eintritt frei

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