Pulseprogramming – Charade Is Gold

So richtig originell sind musikalische Revivals ja eigentlich nicht mehr. Die 70er sind vollkommen durch, da war elektronische Musik außerdem noch nicht an der Oberfläche angekommen. Die 90er werden gerade aufgearbeitet und haben den Zenit ihrer Wiederbelebung auch schon überschritten. Und über die 80er muss man schon gar nichts mehr sagen. Dachten wir.

Denn was Pulseprogramming aus Chicago in Form ihres vierten Longplayers „Charade Is Gold“ vorlegen, ist eine dermaßen reine Essenz dieses bereits sehr gründlich destillierten Jahrzehnts, dass man sich fragen muss, ob das schon wieder ein Meta-Revival ist, eine Neubearbeitung des Rückblicks also – oder ob das Duo in den acht Jahren, die seit „Tulsa For One Second“ vergangen sind, in einer hermetischen Zeitkapsel verbracht haben. Warum bringt man 2011 ein Album voller verwaschener Synthieflächen, poppiger Plastebeats und weichgespülter Depeche-Mode-Gedächtnis-Vocals heraus? Vor allem, wenn man aus Chicago kommt, einer Metropole mit ernstzunehmender Subkultur?

„Charade Is Gold“ gibt also Rätsel auf. Die neun Tracks spielen das 80er-Thema gnadenlos durch – und zwar, zugegeben, handwerklich nicht unbedingt schlecht. Die Klangästhetik ist durchweg harmonisch komponiert und unaufdringlich produziert. Anders herum kann man jedoch sagen: nichts reibt sich, nichts regt auf. Das Album plätschert aus den Boxen, ohne dem Hörer wirklich etwas anderes mitzuteilen, als dass Pulseprogramming die 80er gut finden. Monotonie, die sogar für einen Sonntagnachmittag zu einschläfernd ist. Vor zehn Jahren hätten wir das vielleicht noch nett gefunden, heuer wirkt die goldene Scharade wie ein etwas verpeiltes Versteckspiel in einer ohnehin schon leeren Disco. Viel Spaß damit, wir gehen dann mal.

Preview:

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Tracklist:

  1. Perfect Problematic
  2. Snowmaps On Paper
  3. First They Fire
  4. Light Rides
  5. Island Answer Anywhere
  6. So Right Words Strike Me
  7. You Mean By Magic
  8. Midnight Boom
  9. See What They Live

(Audraglint)

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