Sven Väth – Der DJ als Chef-Animateur

Sven Väth

Seine Karriere begann er im Frankfurter Club Dorian Gray, als er noch minderjährig in extravaganten Verkleidungen tanzend das Nachtvergnügen kennenlernte. Mama, Betreiberin einer Diskothek, hatte es erlaubt. Und Sven Väth ist sich treu geblieben. Performance ist auch heute noch immer ein wichtiger Teil seiner Shows. Da greift er gern zum Mikrofon und turnt vor. Müde ist er nach über 30 Jahren DJ-Karriere noch lange nicht. Im Prinzip sei er noch jedes Wochenende geflasht, sagt er BLN.FM. Und zwar dann, wenn er die begeisterten Partypeople auf der ganzen Welt sieht, die sich für die Nacht fantasievoll ausstaffieren und auf die Tanzfläche stürmen, um “einfach eine gute Zeit zu haben”.

Es war seine Mutter, die ihn zum Auflegen brachte, als er mit 16 von einem Trip auf die Hippie-Insel Ibiza zurückkam. Mit 17 hatte er dann schon seine erste Festanstellung in der Frankfurter Diskothek Dorian Gray. Das war Anfang der 80er. Sven Väth lernte so sein Handwerk gleich hinter den Reglern vor Publikum. Damals sagten DJs noch zwischendrin die Titel am Mikrofon an und spielten mittendrin deutschen Schlager. Mittags fuhr der Teenager in den Club und übte das Mixen mit “Thriller” von Michael Jackson und „Last Night A DJ Saved My Life“. Mama fand’s gut und das ist so geblieben: Auch heute kommt sie ab und an vorbei, wenn Sven in seiner Heimatstadt Frankfurt spielt.

Sven Väth Live

Ist ein DJ auch ein guter Produzent? Böse Zungen behaupteten, dass Väth auf die Produktionen anderer seinen Namen draufsetzte. Falsch, sagt Sven, die Ideen der meisten Produktionen kommen von ihm selbst. In den Anfangsjahren hatte er sogar die Instrumente mit eingespielt. Da kam dann zwar im jugendlichen Übermut auch mal so ‘ne Art HipHop-Reggae raus – aber Sven schämt sich nicht dafür, er lächelt drüber. Im Laufe der Jahre ging er dazu über, Produzenten anzusprechen um gemeinsam Ideen zu verwirklichen. Zuletzt fühlte er sich dann eher als der musikalische Direktor eines ganzen Teams. Das ist alles etwas her, denn Sven Väths letzte Produktionen liegen drei Jahre zurück – mit Elektro-Produzent Antony Rother war’s. Zur Zeit hat er keine neuen Produktionen in Planung. Schließlich hat er auch so genug zu tun. Die Plattenfirma Cocoon floriert, verschiedene Partyreihen und Festivals werden organisiert – so ein kleines Firmenimperium absorbiert viel Aufmerksamkeit.

Und da gibt es noch weiteres Gerede. Selbsternannte Experten mäkeln in Internet-Foren, dass Sven Väth zu denjenigen gehört, die Techno-Musik kommerzialisiert haben. Moment mal! sagt Sven: Die Musik sei 2010 immer noch genauso Underground wie früher. Techno findet schließlich in den Charts nicht statt. Jedenfalls nicht die Tracks, die Väth auf seinen Compilationen versammelt. So eine Kommerzialisierungs-Diagnose lässt sich auch nicht aufrechthalten, wenn man die erfolgreichsten Berliner Clubs abcheckt, in denen Techno gespielt wird. Oder gibt es jemanden, der sagt, dass im Berghain kommerzieller Sound läuft? Und mit dem Kommerz hat der Väth es sowieso nicht so. Er erinnert daran, dass er schon 2000 aus dem Zirkus um die Loveparade ausgestiegen ist, zu einem Zeitpunkt, als noch ganz viele hinter den Wagen in Berlin hinterherliefen.

Das viele Gerede um seine Person belegt, Sven Väth ist als einer der bekanntesten Protagonisten der elektronischen Feierkultur gern Zielscheibe für Spott, Häme und Persiflagen. Eine davon war The Shrine, eine Sample-Maschine mit kurzen Zitaten von Zwischenrufen Sven Väths, die von einer gehörigen Portion “guter Laune” zeugte (leider mittlerweile offline). Sven sind solche Spielereien egal, sagt er. „Klar kommen Leute auch auf die Parties, um mich berauscht zu sehen. Die Leute wollten schließlich unterhalten werden!“ Und das sei natürlich seine Aufgabe.

Sven Vaeth - The Sound of the Eleventh SeasonMittlerweile veröffentlicht Sven Väth zum elften Mal eine Art persönlichen Jahresrückblick über die Hits der Saison: „The Sound of the 11th Season“. Und die Mischung ist bunt: angeschrägte House-Tracks von DJ Koze, gerader Techno von Speedy J, Elektronik von Plaid. Das passt ganz gut zu Svens Aussage, dass die Auswahl von Musik keine Routine für ihn ist. Musik begeistert ihn nach wie vor. Auch wenn die Qualität der Tracks, die ihm für sein Label angeboten werden, sich im Laufe der Jahre verschlechtert hat. Da meine mittlerweile jeder, er könne Musik machen. Plötzlich hört sich der Techno-Impressario genauso an wie viele Alt-Rocker, die ein bisschen nostalgisch sind. Und rät: Ihr jungen Produzenten – macht doch lieber eine richtige, solide Lehre!

Das komplette Interview mit Sven Väth:

[podcast:]/media/audio/interviews/20101211_interview_vaeth_cutted_version.mp3[/podcast]

Aktuell: „The Sound Of The 11th Season“ / Cocoon (als MP3 bei zero“)

[Tim Thaler, Alexander Schramm, Alexander Koenitz]

3 Antworten zu „Sven Väth – Der DJ als Chef-Animateur

  1. super Interview. danke dafür. sven is für mich persönlich einer wenn nicht der beste dj in deutschland sowieso, wenn nicht weltweit. auch wenn er wie ich finde, in den letzten jahren etwas „kommerzieller“ geworden ist, liegt das sicherlich auch an der mittlerweile großen verantwortung für seinen club und seine firma. dies ruft natürlich auch viele neider auf den plan. dennoch spielt er für meinen geschmack immer noch den besten sound und er trifft den spirit der zeit. eine kleine kritik muß ich aber doch anbringen. fragt ihn doch nich immer, wie lange er noch machen will und was er als rentner macht. so lange er noch will und kann, is es doch super. wenn er nicht mehr is, wird er mir zumindest fehlen.
    gruß, frank.

  2. Zitat: „…Mit 17 hatte er dann schon seine erste Festanstellung in der Frankfurter Diskothek Dorian Gray. Das war Anfang der 80er. Sven Väth lernte so sein Handwerk gleich hinter den Reglern vor Publikum. Damals sagten DJs noch zwischendrin die Titel am Mikrofon an und spielten mittendrin deutschen Schlager….“

    Sorry, aber im Dorian Gray wurde auch zu den Anfangszeiten nie Ansagen gebracht oder zwischendrin deutsche Schlager aufgelegt. Kann es sein, dass der Verfasser des Textes noch etwas jünger ist?

  3. Diese Formulierung bezog sich nicht direkt auf das Dorian Gray, sondern auf die „altmodische“ Art und Weise der Präsentation von Musik.

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