Blackfilm – Blackfilm

Blackfilm - Blackfilm (Denovali Records)Es ist dunkel und düster. Im flackernden Laternenlicht schweift ein einsamer junger Mann allein durch kalt-feuchte Gassen. Er ist unrasiert, doch eigentlich sieht man sein Gesicht kaum, denn er verbirgt es im Schatten seines Schlapphuts, der vom Dauerregen getränkt ist. Traurigkeit begleitet ihn. Ab und zu erwischt er sich aber dabei, dass er an die guten alten Zeiten denkt und ihm ein Lächeln über sein müdes Gesicht huscht. Das sind dann die seltenen Momente in der Musik von Blackfilm, die etwas heller und etwas unbeschwerlicher komponiert sind.

Passagen im Track „Untitled“ lassen solche Augenblicke erahnen, bevor die Musik wieder in endloser, schallender, düsteren Dunkelheit im darauffolgenden Titel „Stalingrad“ versinkt. Streicher-Arrangements. lullen ein, unklare, verzerrte Stimmfetzen tauchen auf und Drums geben das Tempo vor.

Blackfilm ist ein in London ansässiger DJ, dessen Album „Blackfilm“ bereits 2008 erschien. Im Dezember hat Denovali Records dieses Debut-Album noch mal herausgebracht – auf schwerem Vinyl. Aus guten Grund. Denn es sind zehn filmreife Tracks, die eine düstere und dramatische Geschichte erzählen. Es könnte eine kafkaeske Lebensgeschichte sein, voll Düsternis, ohne Sonne, kaum Licht, kaum Freude.

Musikalisch bewegt sich Blackfilm im langsamen Tempo mit zahlreichen klassischen Passagen aus Streichern, Piano und Flöten. Diese vermengt er mit Ambient-, Dub- und Experimental-Klängen. Chöre und Bässe untermalen die imposanten Arrangements. Da werden Erinnerungen an die Großtaten von Massive Attack oder Portishead wach – den Pop-Melancholikern der 1990er. Blackfilms Musik ist jedoch kraftvoller und denoch verletzlicher, dramatischer und eleganter. Sie kommt fast ohne jeglichen Gesang aus.

Blackfilm

Blackfilm liefert uns keine Musik für durchzechte Clubnächte. Es ist – wie der Name verspricht – ein Soundtrack für den nachdenklichen Sonntagmorgen oder für jene depressive Stunden, in denen man ohnehin keine Menschenseele bei sich haben will. Dann bauen die wohlig düsteren Klänge von Blackfilm eine schöne, dunkle Höhle.

Preview:

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Tracklist:

  1. Come & See
  2. Interference
  3. Untitled
  4. Stalingrad
  5. Sonar
  6. Five Years
  7. Eastern
  8. Midnight To 4 AM
  9. Mahabharata
  10. Atlantikend

(Denovali Records)

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