Robyn – Body Talk Pt. 2

Robyn - Body Talk Pt. 2Keine drei Monate ist es her, dass unsere derzeitige Lieblingsschwedin Robyn den Auftakt ihrer Mini-Alben-Trilogie veröffentlicht und auf Tour präsentiert hat (unter anderem im Berghain) – und kaum lässt die Disco-Dosis nach, haut sie den zweiten Teil ihrer „Body Talk“-Reihe raus. Und man beginnt zu ahnen, wie das Gesamtkonzept aussieht.

Zwar ist natürlich unüberhörbar, dass wohl alle drei EPs in einem Guss produziert wurden, und die Suche nach musikalischer Weiterentwicklung würde somit ins Leere führen – aber darum geht es hier ja auch gar nicht. Wenn schon der erste Teil gleich sechs elektroide Dancefloor-Knaller am Stück vorlegt, darf man im zweiten Teil keine Avantgarde erwarten. Auf „Body Talk Pt. 2” sind dann auch gleich sieben von wiederum acht Tracks auf nichts anderes als euphorische Tanzbarkeit angelegt.

Produzent Klas Åhlund, der das „Body Talk“-Projekt sozusagen in Gesamtregie betreut, hatte für den ersten Teil ja Diplo und Röyksopp als Mitarbeiter eingeladen – letztere fehlen dieses Mal, doch konnte Åhlund dafür irgendwie Snoop Dogg davon überzeugen, mit Robyn ein amüsant naives Hip-Pop-Duett aufzunehmen (vermutlich im Gegenzug für ihre Vocals auf seinem eher mäßigen Track „Sexual Eruption“). Man glaubt es eigentlich erst, wenn man es hört. Und selbstverständlich ist auch Jonas Kleerup wieder mit dabei, der Robyns bisher größte Hits „With Every Heartbeat“ und „Be Mine“ sowie „Dancing On My Own“ in ihre perfekte Form gebracht hat.

Unüberhörbar ist Kleerup dieses Mal für den hymnischen Opener „In My Eyes“ verantwortlich, ebenso für die neue Single „Hang With Me“ – aber Moment mal, war das nicht schon auf Part 1 mit drauf? Ganz genau – in einer langsamen Akustikversion, sozusagen als Appetithappen für Part 2. In der neuen, schnellen Version nämlich blitzen wieder die bunten Synthies und pumpen die Bässe in bester schwedischer Lollipop-Disco-Manier. Keine schlechte Idee, auf diese Weise einen Bogen zu spannen. Und folgerichtig ist „Indestructible“, der letzte Track auf „Body Talk Pt. 2“, wieder eine akustische Version, vollgeladen mit künstlichen Streichern, die für die schnelle Version bestimmt wieder durch Kleerups Bässe ersetzt werden. Das Songwriting verspricht eine neue Über-Discohymne, die den Cliffhanger zu Part 3 bilden und der Trilogie gegen Ende des Jahres die Krone aufsetzen dürfte. Wie gesagt: ein raffinierter Schachzug, ein Stück erst schwach einzuführen und kurze Zeit später dann stark groß zu machen.

Endgültig groß geworden ist Robyn in ihrer Heimat übrigens längst schon – die Skandinavier platzen fast vor Euphorie über ihren neuen, durchaus authentischen Pop-Export und scheinen sich daran zu erfreuen, dass sie beispielsweise in der David-Letterman-Show das Klischee der blonden, blauäugigen und schüchternen Schwedin, die aber auch mal ganz stark sein kann, perfekt ausfüllt.

A propos Stärke: Dies scheint, wie immer, Robyns Leitthema zu sein. Denn wenn auch „Body Talk Pt. 2“ musikalisch nahtlos an Part 1 anschließt, so ist die Attitüde immerhin ein wenig anders. Die Tracks auf Teil 1 zeigten die Perspektive des einsamen, enttäuschten und melancholischen Mädchens – auf Teil 2 singt nun die selbstbewusste, begehrte und ein bisschen verdorbene (was man halt in Schweden darunter versteht) junge Dame. Wird hier etwa eine Entwicklung angedeutet? Wird Teil 3 die Revue der erwachsenen, erfahrenen (und – ha! – unzerstörbaren) Frau? Wir werden es wohl rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft hören. Und bis dahin heißt es: Kopf ausschalten, weiter tanzen.

Preview:

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Tracklist:

  1. In My Eyes
  2. Include Me Out
  3. Hang With Me
  4. Love Kills
  5. We Dance To The Beat
  6. Criminal Intent
  7. U Should Know Better (featuring Snoop Dogg)
  8. Indestructible (Acoustic Version)

(Konichiwa/Island)

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