Tycho – Past is Prologue

"Past is Prologue"Scott Hansen – das ist nicht nur Tycho, sondern auch ISO50. Der Künstler aus San Francisco ist nämlich eigentlich mehr beim Design und der PopArt zu Hause als in der Musik. Es ist also klar, dass Hansens Musik von ihren Bildern lebt, ob nun er sie uns zeigt oder seine Musik sie erzeugt.

Daher verwundert es auch nicht, dass viele der Tracks auf „Past is Prologue“ durch ihren schwebenden Ambient-Sound auf eine einzigartige Weise Atmosphäre verbreiten.

Die eine Hälfte der Songs entwickelt sich brav an einer Anfangsmelodie entlang: Spannungsbögen werden schichtenweise durch Ergänzen oder Weglassen von Melodien oder Klängen erzeugt. Einige wirken, besonders durch das organische Schlagzeug, fast schon akustisch. Hier besonders erwähnenswert ist „Send and Receive“ mit einer eher melancholischen Grundstimmung, sich umspielenden Melodien und einer aufgeregten Marschtrommel, die das Stück praktisch vor sich her treibt.

Dann gibt es noch die anderen, ruhigeren, die weniger greifbar sind. Teilweise rutschen diese ins Belanglose ab, wie typische Lounge-Musik, oder sie kommen einfach nicht zum Punkt. Es gibt aber auch gelungene Exemplare, wie „Past is Prologue“ oder „A Circular Reeducation“. Diese Stücke können durch einen immer präsenten roten Faden punkten. Für Tycho gilt eindeutig: Die einfachen Mittel haben den stärksten Ausdruck. Aus allzu komplizierten Klanggeflechten ohne erkennbare Richtung dringt zum Hörer nichts durch.

Versucht man die Schwächen dieser Songs zu erkunden, hilft zum Beispiel das Musikvideo zu „Dictaphone’s Lament“ (siehe unten). Erst in Verbindung mit den Bildern erhält Tychos Musik die Vollendung ihres Ausdrucks; nicht umsonst ist Hansen bei seinen Live-Auftritten eher damit beschäftigt, Lightshow und Visualisierung zu arrangieren. Ohne die unterstützenden Bilder fehlt einigen Tracks schlicht der Boden unter den Füßen: Die mit zarten Wasserfarben aufgetragenen Klang-Bilder sind teilweise einfach zu blass, um Eindruck zu machen. Als Gegenbeispiel dazu der Song „PBS“, der dickere Sounds in Ölfarben aufträgt und damit allemal überzeugt.

Scott Hansens zwei künstlerische Seiten vertragen sich sehr gut, fast schon zu gut, denn noch kann Tycho ohne ISO50 nicht wirklich überzeugen. Wie aus dieser Abhängigkeit eine Symbiose wird, würde mich freuen zu beobachten. Vielleicht auf einem zweiten Album.

Preview:

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Tracklist:

  1. From Home
  2. Sunrise Projector
  3. Dictaphone’s Lament
  4. PBS
  5. Send and Receive
  6. Brother
  7. A Circular Reeducation
  8. Past is Prologue
  9. Cloud Generator
  10. The Disconnect
  11. A Circular Reeducation (Dusty Brown Remix)
  12. Send and Receive (Cachi Jones Remix)
  13. Sunrise Projector (Nautilis Remix)
  14. From Home (Mux Mool Remix)

(Ghostly International )

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