UNKLE zwischen Nacht und Tag

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“Where Did The Night Fall” heißt das neue Album von UNKLE, das derzeit neu in den Plattenläden steht. James Lavelle, einziges noch verbliebenes Gründungsmitglied und Mastermind von UNKLE hat einmal mehr aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis ein hochkarätiges Set an Gast-Musikern und Vocalist rekrutiert. Diesmal mit dabei sind unter anderem Mark Lanegan von den Queens of the Stone Age, Sleepy Sun aus San Franscisco und Katrina Ford, Frontfrau der Cabaret-Punk-Band Celebration.

Aus psychedelischem Rock, Afro-Beat, Electro-Einflüssen und fast drei Jahrzehnten Produktionserfahrung mischt  der mittlerweile 36-jährige Lavelle ein gutes, wenn auch nicht überragendes Album. Auch in der Blog-Welt werden weit bessere Noten als zuletzt bei „End Titles“ vergeben. Trotzdem vermisst man wieder die Hip-Hop Einflüsse von DJ Shadow. Die Gäste machen „Where Did The Night Fall“ zum besten UNKLE-Album seit langem: das düster-treibende „Runaway“ mit Elle J und „Caged Bird“ mit Katrina Ford sind die Höhepunkte. Die Stimme der Sängerinnen und die elektronischen Klänge sind eine willkommene Abwechslung von dem sich ähnelnden psychedelischen Ambient-Texturen der anderen Songs.

Seine Vorliebe für Gastkünstler macht es James Lavelle schwer, eine Tournee zum Album auf die Beine zu stellen. Diesmal wird es aber eine geben! Im BLN.FM-Interview verät er, dass die „Where Did The Night Fall“-Tour richtig aufwändig wird. Und natürlich will er nach Berlin kommen. Für Lavelle ist das quasi eine Rückkehr. Als DJ stand er in legendären, längst geschlossenen Clubs als  junger Brit-Hipster an den Plattenspielern und spielte in den ’90ern in einigen Berliner Kellern. Diese wilde Zeit ist zwar vorbei – aber Musik machen, dass kann er immer noch.

UNKLE im Interview (Frühling 2010)

Unkle: Where The Night Fall

Du hast auch als DJ angefangen, legst immer noch auf und gleichzeitig produzierst du Platten wie „Where Did The Night Fall“. Welche Verbindung hat der DJ Lavelle zum Produzenten Lavelle?

James Lavelle: Alles ist miteinander verbunden. Ich habe als DJ angefangen und bin mit Hip Hop und Electro aufgewachsen. Dieser „Sound-Pool“ und Musik-Collagen waren immer mein wichtigster Einfluss. Die Beziehung zwischen mir als DJ und dem Produzieren von Musik ist sehr wichtig, denn wir haben als DJs angefangen Musik zu machen. Ich trete immer noch als DJ auf, weil ich es einfach mag. Aber natürlich ist da auch die wirtschaftliche Realität, durch das Auflegen kann ich von der Musik leben.

Du kennst Berlin ja schon seit langem, vor allem auch als DJ. Kannst du dich noch an deinen ersten Auftritt hier erinnern?

James Lavelle: Oh Mann, das ist so lange her. Ich war in der Nacht vor meinem Auftritt im E-Werk und dann im Tresor. Ich hab dann in einem Club gespielt, an dessen Namen ich nicht jetzt nicht mehr erinnern kann. Über die Jahre habe ich in vielen Läden gespielt: im Cookies und im Watergate. In Berlin sind die Nächte hart, ich erinnere mich leider nicht mehr an alles. Als ich das erste mal ins E-Werk gegangen bin war alles ziemlich extrem. Ich glaube es war eine Schwulenparty. Es war das erste Mal, dass ich auf sowas war, ich war ziemlich jung und alles war sehr beeindruckend. Es war zwar kein Schock – aber schon eine bleibende Erfahrung für einen Jungen aus Oxford. Das war ungefähr so wie wie bei meinem ersten Mal in der Soundfactory in New York oder im Pasha in Ibiza. Alle Kulturen kommen eng zusammen und feiern dekadent und verrückt ab.

Du bist ja mittlerweile 36 Jahre alt, wirst du langsam erwachsen oder steckt in dir immer noch der 18-jährige Junge aus Oxford?

James Lavelle: Ich versuche zumindest erwachsen zu werden (lacht). Das ist eines der wichtigsten Themen auch in meiner Musik: dieser Kampf mit dem Altern, dieser Wunsch nicht erwachsen zu werden. Aber ich habe eine 12-jährige Tochter. Es gibt also eine ganz andere Realität in der ich sehr verantwortungsbewusst bin und sein muss. Aber ich denke Jugend ist eine Einstellung, eine Denkweise. Ich fühle mich heute nicht komplett anders als damals als ich angefangen habe. Jetzt habe ich nur mehr Wissen und auch mehr Angst (lacht).

Dein neues Album ist ja sozusagen die Quintessenz von über 20 Jahren als Musiker. Wo steht „Where Did The Night Fall“ in deiner Musikbiographie, was ist anders als bei den anderen UNKLE-Platten?

James Lavelle: Das neue Album ist ein modernes psychedelisches Album. Es gibt viel analoges Keyboard. Es gibt Einflüsse vom Afrobeat bis zu Kraut-Rock. Es groovt mehr und hat mehr weiblichen Gesang. Gleichzeitig ist jeder Song sehr eigenständig.  „Another Night Out“ repräsentiert für mich sehr stark meinen emotionalen Zustand als ich am Album gearbeitet habe. Mit dem Lied lasse ich auch einen Teil meines Lebens zurück. Ich habe einen Großteil meines Lebens in Clubs verbracht und jetzt versuche ich mich langsam mit dem Tag anzufreunden.

(Das Album „Where Did The Night Fall“ ist im Mai 2010 erschienen.)

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