Mount Kimbie: Von Gangstern und Liebenden

Mount Kimbie

Noch bevor sie überhaupt ein Album veröffentlicht hatten, wurden Mount Kimbie schon als die neuen Wunderkinder des Dubstep gehandelt. Nach der Trennung von James Blake stehen Dominic Maker und Kai Campos nun zu zweit im Rampenlicht und bespielen die Bühnen Europas und des amerikanischen Kontinents. Pünktlich zum Release ihres ersehnten Debüts „Crooks & Lovers“ bei Hotflush Recordings traf Bennet von BLN.FM die beiden vor ihrem Auftritt auf der Sub:stance-Party im Berghain. Dominic und Kai sprechen über Erfolgsdruck, das Album und seine Entstehung.

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Was genau ist Mount Kimbie – eine Band oder ein Projekt?

Dom: Beides, denke ich. Wir sind jetzt wohl eine Band und spielen seit zwei, drei Jahren elektronische Live-Musik. Hauptsächlich in London.

Kai: Er hat es schon ganz gut zusammengefasst. Als wir anfingen zusammen Musik zu machen, hatten wir eigentlich nicht im Sinn live aufzutreten, wir wollten einfach Musik aufnehmen. Aber wir sind jetzt wohl eine Band.

Wie und wann seid ihr mit elektronischer Musik das erste Mal in Berührung gekommen?

Dom: Ich glaube, es war ziemlich peinlich. Bei mir war es Trance – richtig schlecht. Ich lebte in einer englischen Kleinstadt und wir hatten nur diesen einen schrecklichen Club. Da lief nur Trance und Big-Room-Zeug. Weiter ging es dann mit HipHop und Grime. Ich habe mich auch für Rock und Indie interessiert, aber die elektronische Musik kam dann danach.

Kai: Ich war noch in der Schule, 15 Jahre alt vielleicht. Ich hatte Musikunterricht und kam mit Aufnahmetechnik in Berührung. Mich hat dann interessiert, was ich alleine umsetzen konnte, ohne eine Band. Ich habe Hip Hop gehört und frühen Drum’n’Bass.

Euer Album kommt bald raus, es heißt “Crooks & Lovers“. Wie lange habt ihr daran gearbeitet, alles in allem?

Dom: Ein Jahr ungefähr. Das erste halbe Jahr lang haben wir nicht viel auf die Reihe gekriegt, haben über das Album geredet und uns verrannt. Die nächsten sechs Monate waren wir dann richtig beschäftigt. Vor allem in der letzten Woche, da haben wir ein Drittel des Albums gestemmt.

Hattet ihr eine Leitidee? Ziele, die ihr verfolgt habt?

Kai: Wir wollten ein Album mit Existenzberechtigung machen. Es war für uns einfach der nächste Schritt, und das Album musste als solches einfach funktionieren.

Und wie seid ihr auf den Titel gekommen?

Dom: Angeregt wurde der Titel vom Artwork und dem Cover. Alles dreht sich um South London, den Teil Londons, in dem die Musik entstanden ist. Der Titel versucht, das Leben in diesem Stadtteil wiederzugeben. Crooks & Lovers (Betrüger und Liebhaber) passt insofern zu diesem Teil Londons, als man dort beides trifft. South London ist berüchtigt für Verbrechen und Überfälle. Mittlerweile gibt es dort aber auch eine große Kunstszene, Live-Musik, Kunstausstellungen und so. Ich mag den Titel, denn er fasst sehr gut zusammen, was in der Stadt passiert. Ursprünglich stammt der Titel aber aus einem Gedicht, das Kai gehört hat.

Wer hat das Gedicht geschrieben?

Kai: Es war nicht wirklich ein Gedicht. Mount Kimbie - Crooks and LoversEs gibt da diesen wirklich guten Hackney Podcast in London. Man beschäftigt sich darin mit einem Teil Londons und die Leute erzählen auf eine wirklich interessante Art, was gerade in der Stadt passiert. Ich habe einen Podcast gehört, in dem es um Taxifahrer ging und wie sie die Leute in der Stadt verbinden, ohne sie zu kennen. Das war sehr interessant. Da hieß es dann „Liebende zu Liebenden“ und „Gauner zu Gauner“. Mein Gedanke war dann, dass die beiden dem Taxifahrer einfach das Gleiche bedeuten könnten. Für mich fasst dieser Gedanke das Leben in London zusammen, die Verflechtungen und die Widersprüche, die man mit dem einen oder anderen Wort nicht ausdrücken kann.

Welche Gefühle haben euch und die Atmosphäre auf dem Album beschäftigt bzw. beeinflusst?

Kai: Naja, sobald man merkt, dass sich jemand für die Arbeit interessiert, muss man in sich gehen und darüber nachdenken, weshalb man es eigentlich macht. Ich brauchte meine Zeit, um darüber hinwegzukommen, dass Leute die Musik wirklich hören wollten, noch bevor sie überhaupt gemacht wurde. Es ist dann eine Herausforderung, sich selbst daran zu erinnern, weshalb man das tut und die Erwartungen anderer auszublenden. Ich denke, man ist dann wirklich an dem Punkt, wo man seine eigene Erwartung umsetzt und erst danach wieder daran denkt, ob die Leute es mögen werden oder nicht. Das war nicht einfach für mich.

Und was hat dich beschäftigt?

Dom: Mir ging es so ähnlich wie Kai. Mich haben die Anforderungen beschäftigt, zum Beispiel die Deadline. Man muss durchgehend Musik machen, wie ein Roboter, und ich kann das nicht. In einem Monat ist bei mir vielleicht die Musik einer halben Woche verwertbar, der Rest ist Mist. Es war schwer, kontinuierlich zu arbeiten und vor Augen zu haben, dass das Album bald kommt und du mehr Musik schreiben musst. Sobald ich mich dann einmal von diesem Druck gelöst hatte, ging mir alles viel natürlicher von der Hand und ich konnte meine Ziele wirklich umsetzen.

Kai: Das war natürlich eine spannende Herausforderung, wir wollen uns jetzt auch nicht beschweren.

Habt ihr bestimmte Lieblingstracks auf eurem Album?

Kai: Ich muss es wirklich noch einmal hören. Es ist ganz gut, es mal liegen zu lassen und es sich dann später noch einmal ganz genau anzuhören. Ich mag die Tracks alle sehr gerne, muss aber sagen, dass „Field“ definitiv einer meiner Lieblinge ist. Den Song spielen wir auch sehr gerne live.

Ihr seid ja auch als Support-Band für The XX unterwegs. Hat euch deren Management angesprochen oder habt ihr da private Kontakte?

Kai: Ihr Manager hat uns schon früh unterstützt, das war noch vor ihrem Album-Release, als ihr Label Youngs Turks noch ein kleiner, neuer Teil von XL Recordings war. Er hat uns viele Tipps gegeben und war uns eine große Hilfe. Wir haben ja auch einen Remix für The XX gemacht und mögen auch jeweils die Musik des anderen. Das ist hilfreich.

Ihr seid noch auf Tour bis Oktober. Das ist ja eure erste Tour. Habt ihr bestimmte Erwartungen, Hoffnungen oder Ängste, die euch begleiten?

Dom: Wir freuen uns gerade einfach darauf, in diesen großartigen Locations und vor fremdem Publikum zu spielen. Ab und zu vergisst man, wie glücklich man ist, diese Möglichkeit überhaupt zu haben, nur weil man Musik macht. Jetzt steht ein schöner Sommer an, in dem wir reisen und Musik spielen.

Nachdem ihr euch von James Blake getrennt habt, hast du, Kai, von Überlegungen gesprochen, Mount Kimbie in Sachen Personal entweder zu vergrößern oder zu verkleinern. Sind diese Pläne noch aktuell?

Kai: Ja, schon. Was wir jetzt zu zweit machen ist auf jeden Fall sehr interessant und ich glaube es könnte auch mit mehreren klappen. Wir werden es wohl noch einmal mit jemand anderem versuchen, wie halt dieses Jahr – und vielleicht klappt es dann.

Was denkst du?

Dom: Ja, es war gut zu dritt zu arbeiten, wie mit James. Wir haben so auch nützliche Live-Erfahrungen gesammelt, denn James stand immer im Vordergrund, hat gesungen und Piano gespielt, während wir im Hintergrund die Drums und die Samples eingespielt haben. Nachdem wir dann nur noch zu zweit waren, standen wir im Vordergrund. Das war interessant, gerade wenn man es bisher anders kannte. Es ist jetzt schön die Option zu haben mit jemand anderem arbeiten zu können oder alles beim jetzigen zu belassen. Ich denke, die bisherige Entwicklung war zu unseren Gunsten.Mount Kimbie

Gibt es derzeit irgendwelche Nebenprojekte?

Kai: Im Moment nicht, wir waren sehr beschäftigt. Wir haben schon Schwierigkeiten die Termine für die Remixes einzuhalten. Wir müssen mal sehen. Wenn das Album raus ist und wir die Tour im November hinter uns haben, werden wir uns mal zusammensetzen. Wir sind beide durchaus an anderen Dingen interessiert. Man wird sehen.

Dominic, ich habe da noch von einem älteren Projekt deinerseits gelesen: Indie-Musik. Eine Myspace-Seite soll es auch geben.

Dom: Naja, eigentlich wollte ich darüber nicht reden. Ich werde dir die Adresse nicht verraten! Das ist Indie-Kram mit ein bisschen Elektronika, ich singe dazu und spiele die Songs. Das war so mein erster Anlauf, elektronische Musik mit Cubase zu machen.

Wäre natürlich spannend, sich das mal anzuhören.

Dom: Ähm, ich erinnere mich nicht einmal mehr an die Adresse.

Kai: Ich weiß sie.

Dom: Wie lautet sie denn … – Jero Jackdaw?

Kai: Yeah.

Dom: Ähm, yeah. Okay. Die Adresse lautet Cpt. D Boom. Ja, da gibt es ein bisschen Drum’n’Bass und eigenartige Musik.

Du musst dich hier jetzt nicht entschuldigen.

Dom: Ich entschuldige mich bei mir selbst.

Vielen Dank für’s Interview!

Das Album „Crooks & Lovers“ ist seit dem 19.07.10 erhältlich (Hotflush Recordings). In Deutschland werden Mount Kimbie dieses Jahr noch zweimal als Vorband von The XX zu erleben sein: 26.08.10 E-Werk, Köln / 27.08.10 Tonhalle, München.

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