Christian Prommer – Drumlesson Zwei

Christian Prommer - Drumlesson ZweiMusikalische Innovationen sind immer eine tolle Sache. Wenn einer Genregrenzen sprengt und Verbindungen erzeugt, die vorher noch nicht da waren, bereichert das die Kunst allein schon durch den Akt der Fusion – die Qualität des Ergebnisses ist beinahe zweitrangig. Bei Christian Prommers Projekt „Drumlesson“, dessen erstes Album im Jahr 2008 erschien, stimmte sogar beides: Form und Inhalt. Nun erscheint die zweite Folge – und der Grundgedanke ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Prommer hatte nämlich die überraschend simple, aber völlig einleuchtende Idee, Klassiker der elektronischen Tanzmusik mit echten Instrumenten als Elektrojazz-Arrangements neu einzuspielen. Ein bisschen vielleicht wie Bonobo, der im Interview mit BLN.FM ja erklärt hat, wie er versucht, nicht-elektronische Musik mit elektronischen Mitteln zu machen. Prommer spielt mit seinen Musikern (die sich inzwischen zu einer echten Live-Band formiert haben) Schleifen und Samples ein und mischt die Spuren anschließend zu „organisch erzeugtem House“. Als Grundlage dienen hierbei Genreklassiker aus den letzten beiden Jahrzehnten.

Auf „Drumlesson Zwei“ finden sich somit jazzige Neubearbeitungen der berühmten „Knights of the Jaguar“, von Laurent Garniers „Acid Eiffel“ oder gar von Jean-Michel Jarres „Oxygen“. Auch ein Stück aus dem legendären Oeuvre von Kruder & Dorfmeister wurde gecovert – und Labelkollege Peter Kruder hat dann auch gleich bei der Produktion des ganzen Albums (wie schon beim ersten Teil) mitgewirkt.

Am Sound ist daher natürlich auch nichts auszusetzen: Gut gespielt, präzise gemischt und lässig arrangiert ist das Ganze allemal. Die großartige Grundidee wurde auch noch handwerklich erstklassig umgesetzt und überführt die Stücke vom Dancefloor auf angemessene Weise in die Jazzlounge. Aber genau hier liegt auch die Krux des Ganzen: Denn mit der recht originalgetreuen Umsetzung der Tracks wird auch oftmals dessen Monotonie transportiert – die mit synthetischen Klängen im Club eine hypnotische Wirkung entfaltet und darin überhaupt erst den Erfolg elektronischer Tanzmusik mitbegründet, im Genre des Jazz aber ein wenig deplatziert wirkt.

Wenn das Ausgangsmaterial (wie der bereits zitierte „Jaguar“ oder der großartige letzte Track „Sandcastles“) eine sich entwickelnde Dynamik aufweist, funktioniert er auch in Prommers neuem Gewand. Die anderen Stücke jedoch (beispielsweise „High Noon“) mäandern oftmals ein wenig ziellos vor sich hin und gerinnen dadurch zwar nicht gleich zur Fahrstuhl-, aber immerhin zur Kaffeebarmusik. Allerdings zu exzellenter Kaffeebarmusik – und das Gesamturteil über die „Drumlessons Zwei“ soll letztlich auch positiv ausfallen, denn wie eingangs erwähnt, trägt die famose Grundidee über diese strukturelle Schwäche hinweg. Und es gibt schließlich noch viele Tracks mit spannender Dynamik, die es wert wären, von Herrn Prommer in seine Trommelstunde aufgenommen zu werden.

Preview:

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Tracklist:

  1. Sandstorms
  2. Groove La Chord
  3. Sleepy Hollow
  4. Acid Feel
  5. Oxygene Part IV
  6. Jaguar Pt. 2
  7. High Noon
  8. Sandcastles

(!K7 / Alive)

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