Trentemøller – Into The Great Wide Yonder

Trentemoeller - Into The Great Wide YonderDie Dänen haben es gut: Sie sind zwar nicht besonders glücklich beim Fußball, aber dafür haben sie eine avantgardistische Hauptstadt und lustige Schrägstriche in ihren Vokalen. Außerdem umgibt alles, was sie machen, eine Aura des Wohlbedachten, Eleganten und Hochwertigen. An jenem skandinavischen Phänomen des „mühelos besser als die anderen sein“ ist sicher auch eine allgemeine Sympathie derjenigen beteiligt, die das normalerweise beurteilen – aber das führt jetzt zu weit. Hier geht es ja um Trentemøller und seinen zweiten Longplayer „Into the great wide yonder“ – und da erklingen die euphorischen Stimmen nicht grundlos.

Dass Anders Trentemøller aus Kopenhagen mit Sounds umgehen kann, hat er mit einer schier endlosen Liste von gefeierten Remixes und Solo-Veröffentlichungen bereits bewiesen. Seit 2003 verbreitet er seine Version von nordisch kühlem House, bleibt dabei jedoch eher mitteleuropäisch als subpolar und bringt immer wieder eine dunkle, mysteriöse Wärme in seinen Tracks zum Schimmern. Auch sein neues Album vereint Industrielles und Bedrohliches mit Bittersüßem und Intimem – heraus kommt eine sehr atmosphärische, dichte und irgendwie verführerische Elektronik, die stellenweise an ältere Tracks der Chemical Brothers (und manchmal sogar an die Elektrojazzer von Koop) erinnert und ziemlich zeitlos klingt.

Überraschend ist hierbei das Klangspektrum, das der Däne eröffnet: Zunächst einmal wird der Grundtenor aus ruhig laufenden, getragenen Beats immer wieder variiert und äußert sich mal als opulentes, überbordendes Stück mit dunklen und kraftvollen Bässen, vielfältigen Synthies und Saiteninstrumenten (ja, auch Streicher und Gitarren sind zu hören), mal als reduzierter Track mit eher zurückgenommenen und crispen Beats. Aus dieser ohnehin schon erstaunlich langsamen Stimmung schert dann sogar noch der vorletzte Track in Richtung sanften Ambients aus – und nur ein Stück zieht ein wenig im Tempo an, nämlich das auch im Titel voranstürmende „Silver Surfer, Ghost Rider Go!!!“. Minimalen Techno findet man nur als eine der Folien innerhalb seiner stimmigen Collagen, und manchmal rücken schlaftrunkene Vocals die Stimmung in Richtung Morgendämmerung. Ansonsten ist auch dieses Album, wie so oft bei den Künstlern aus dem Norden, ein phantasievoller Nachtflug unter dem nie ganz dunklen Himmel des skandinavischen Sommers.

Eine Reise in unsere Gefilde nimmt Trentemøller übrigens im Herbst auf, um sein neues Werk in Europa vorzustellen. Am 8. Oktober spielt er in Berlin im Astra und verspricht, uns ins „musikalische Jenseits“ mitzunehmen, wie sein Albumtitel nahe legt – das sollte man sehen, schon allein des Schrägstrichs wegen.

Preview:

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Tracklist:

  1. The Mash And The Fury
  2. Sycamore Feeling
  3. Past The Beginning Of The End
  4. Shades Of Marble
  5. … Even Though You‘re With Another Girl
  6. Häxan
  7. Metamorphis
  8. Silver Surfer, Ghost Rider Go!!!
  9. Neverglade
  10. Tide

(In My Room / Rough Trade)

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