CocoRosie – Grey Oceans

CocoRosie - Grey OceansFallen wir mal mit der Tür ins Haus: Das neue Album von CocoRosie ist sehr schön geworden und auch nach mehrmaligem Durchhören noch spannend. Graue Gewässer verheißt der Titel des vierten Longplayers der Casady-Schwestern, doch klingt die Musik darauf weniger weitläufig und traurig als intim und filigran. Die Damen musizieren mit ihrem neuen Pianisten, und wir dürfen zuhören.

Auch auf dieser Platte ist die Elektronik eher Mittel zum Zweck und eindeutig einer zeitlosen, dogmenfreien Musik untergeordnet. Sie fließt ebenso wie die zahlreichen analogen Instrumente ein in die äußerst stimmigen Kompositionen, die davon zeugen, dass Coco und Rosie wissen, über was, und vor allem: wie sie sich ausdrücken möchten. Ihre ungewöhnlichen Biografien sind an den Schwestern nicht spurlos vorüber gegangen – eine rastlose Kindheit mit einer Lehrerin und einem Prediger als Eltern, deren Scheidung, das Auseinanderleben und Wiederfinden der verbliebenen Familie, Studium und Übersiedelung nach Paris: Da bekommt man etwas mit. Und im besten Fall weiß man es in produktive Energie umzuwandeln.

Die Musik also klingt teilweise ungemein zerbrechlich, erweckt aber trotzdem nie den Eindruck fehlender Stabilität. Das mag wohl daran liegen, dass alles auf das notwendige Minimum reduziert wurde: Die Orchestrierung der Tracks ist sparsam, die Beats (wenn es denn welche gibt) sind nie aufdringlich, auch Glockenspiel, Harfe und Falsettgesang nerven nie. Überhaupt bewahrt diese Reduktion das Album davor, prätentiös und „gewollt künstlerisch“ zu klingen – dazu ist es einfach zu zurückgenommen. Es verlockt eher, es lädt ein, es will sich eben nicht anbiedern.

Obwohl dieser Ansatz eine durchgehende Linie auf „Grey Oceans“ darstellt und man es eigentlich auf ganzer Länger filigran finden kann, haben die einzelnen Tracks doch unterschiedliche Stimmungen – bei manchen erinnert der Gesang an eine Mischung aus Fever Ray und Björk (selbst diese offensichtliche Anlehnung stört nicht), manche klickern ganz ruhig, dann wiederum gibt es gegen Ende sogar technoide Beats. Wie gesagt: Das Album bleibt spannend, es gibt einiges zu entdecken. Und es fühlt sich jedes Mal an, als ob man leise in den Kammermusiksaal eingetreten wäre und das Glück hat, den Schwestern bei ihrer Darbietung lauschen zu dürfen. Psst, wir sollten sie nicht stören – sie sind gerade so schön abgetaucht in die dunkelgrau schimmernden Fluten ihrer Welt.

Preview:

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Tracklist:

  1. Trinity’s Crying
  2. Smokey Taboo
  3. Hopscotch
  4. Undertaker
  5. Grey Oceans
  6. R.I.P. Burn Face
  7. The Moon Asked The Crow
  8. Lemonade
  9. Gallows
  10. Fairy Paradise
  11. Here I Come

Cocorosie – Fairy Paradise by ItsAllAboutMusic

(Souterrain Transmissions / Rough Trade)

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