Lali Puna – Our Inventions

lali puna coverSechs Jahre haben sich Valerie Trebeljahr und Markus Acher (The Notwist) Zeit gelassen. Mit „Our Inventions“, das am 9. April erschienen ist, begegnet dem Lali-Puna-Kenner nun eine Sammlung Musik, die als vorläufiger Höhepunkt einer konsequenten Weiterentwicklung begriffen werden muss. Die Vorläuferalben begeisterten mit teils dissonanten, experimentellen Klängen; diesen wurden aber immer wieder schlichte, harmonischere gegenüber gestellt und machten die Musik zu einem verwirrenden, herausfordernden Erlebnis.

Das zentrale Element – Trebeljahrs Stimme, die in ihrer auf das Wesentliche reduzierten Erscheinung den Stücken ihre eigentliche, träumerische Intensität verleiht – klingt auch bei „Our Inventions“ vertraut – nur facettenreicher und erweitert. So vermag sie es, bei „Move On“ freche Entschlossenheit zu vermitteln, und zu Beginn singt sie ein liebevoll zartes Schlaflied „Rest your Head“ (ist das als ein Verweis auf ihre aktuelle Situation als Mutter zu verstehen?). Wer sich sowieso schon hoffnungslos in ihre Stimme verliebt hat, der findet auf diesem Tonträger einen Schatz nach dem anderen. Die Verliebten betört Trebeljahr nun weiter: Verträumt, sphärisch, verletzlich erscheint sie dem Hörer. Mehr als zuvor strahlt sie dabei eine verhaltene Weisheit aus, auf der sie sich jedoch in keinem Moment ausruht. Vielmehr hinterfragt sie diese mit der so nur von Lali Puna herstellbaren Melancholie, die sie eben so verletzlich macht.

Ist Lali Puna mit „Our Inventions“ vielleicht auch etwas gefälliger, kompatibler geworden? Die zehn Stücke sind sicherlich zugänglicher als etwa „Antena Trash“ (vom Album „Tridecoder“) oder „Don’t Think“ (von „Scary World Theory“), gleichzeitig aber auch nochmal ein gutes Stück komplexer, was sich aber erst nach mehrmaligem Hören langsam herausschält. Je öfter man diese Musik hört, desto mehr hört man. Dieser Prozess ist – und das bleibt ebenfalls ein typisches Charakteristikum – bei Lali Puna niemals abgeschlossen. Vielmehr läuft der Hörer fröhlich Gefahr, sich im Nachdenken und Träumen zu verlieren. Lali Puna ist dabei das zwischengeschaltete Medium und treibt zu mentalem Eskapismus an.

Am 14. Mai spielen Lali Puna  live im Lido.

Tracklist:

  1. Rest Your Head
  2. Remember
  3. Everything Is Always
  4. Our Inventions
  5. Move On
  6. Safe Tomorrow
  7. Future Tense
  8. Hostile To Me
  9. That Day
  10. Out There

(Morr Music)

(Text: Enno Schramm)

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