Rammbock – Zombieseuche in Berlin!

Szene aus "Rammbock"Wer in Berlin zum Hinterhof raus wohnt – und das sind bekanntlich nicht wenige – sollte sich jetzt einen Moment lang Zeit nehmen, vielleicht mal zum Fenster treten und sich vorstellen, seine vertrauten Nachbarn ausnahmsweise mal nicht beim Essen oder bei Intimveranstaltungen beobachten zu müssen – sondern beim Kampf um Leben und Tod, beim gegenseitigen Zerfleischen. Von dieser einfachen, aber hübsch gruseligen Grundidee lebt „Rammbock“, der bereits preisgekrönte Film des Wiener Jungregisseurs Marvin Kren, der das diesjährige „Achtung Berlin“-Festival eröffnen wird.

Ein anständiger Zombiefilm für Berlin, das hat uns in der Tat noch gefehlt. London hatte „28 Days Later“ und Barcelona hatte „[REC]“ (das Original, versteht sich), der sogar noch untertitelt und ohne den alltäglichen Bezug zum Handlungsort äußerst spannend war. Eine Neuentwicklung der Idee in unserer Heimat, vor unserer Tür, sollte also eigentlich noch stärker einschlagen. Tatsächlich spielt Drehbuchautor Benjamin Hessler eine Variation des Themas durch: Ein Virus befällt großflächig die Zivilbevölkerung Nordeuropas und lässt alle, auch den besten Freund oder die Ehefrau, zu rasenden Zombies werden, wenn sie von ebensolchen gebissen werden. Ein verlassener Exfreund namens Michael und ein Handwerkerlehrling mit dem seltsamen Namen Harper finden sich plötzlich in der umzugsfertig verpackten Wohnung von Michaels verflossener Liebe wieder, müssen sich dort verschanzen und irgendwie mit der Lage klar kommen. Sie beobachten den Horror im Hinterhof und in den anderen Wohnungen, die schleichende Auflösung aller Sicherheiten – dass die Polizei keine Hilfe sein würde, wird in den ersten Minuten klar gemacht. Auch der Rundfunk wird bald gekappt, was die Isolation der Überlebenden schnell erhöht. Wir sehen ein aktualisiertes „Fenster zum Hof“, einen Setzkasten des Grauens.

Szenenfoto aus "Rammbock"
In der ersten Hälfte jedoch mäandert der Film ein wenig unentschlossen zwischen dem äußeren Setting der Zombiegeschichte und dem inneren Kammerspiel, das sich in der Wohnung zwischen Michael und Harper entfaltet, hin und her. Jedes Eindringen von außen – sprich: jede neue Entwicklung im Hinterhof oder den anderen Wohnungen – scheint die beiden Protagonisten nach einer kurzen Schreckminute erstaunlich wenig zu beeindrucken. Überhaupt bleiben die Figuren anfangs ein wenig blass und richtungslos. Besonders die Beharrlichkeit, mit der sich Michael seiner Liebesenttäuschung hingibt, wirkt in diesem Teil des Films ein wenig aufgesetzt.

Sobald sich aber genau ab der Mitte des Films die Hauptfiguren trennen müssen und beide kurz hintereinander je eine wichtige Entdeckung machen, beginnen die Fäden in den neuen Wendungen sinnvoll zusammenzulaufen. Ab hier bekommt das Ganze deutlich mehr Drive und weiß viel stärker in seinen Bann zu ziehen. Spätestens dann beginnt man auch zu ahnen, dass man nicht auf ein Ende hoffen sollte, das für jeden happy ist.

Szenenfoto aus "Rammbock"

Aber genau das wollen wir ja: mit einem angenehmen Schauder auf der Haut aus dem Kino treten und uns kurz desorientiert in einem (mehr oder weniger) zombiefreien Berlin wieder finden. Das schafft der Film durchaus. Mit seiner Spielzeit von einer Stunde hat er genau die richtige, knackige Länge und bringt in dieser Zeit wohldosierte und wohlplatzierte Twists unter, die zeigen, dass die Story schon schön durchdacht ist. Auch die stimmige Ästhetik im zeitgemäßen Psycho-Horror-Stil trägt mit „schmutzigen“ Farben und zurückhaltender Musik ihren Teil dazu bei. Nicht zu vergessen natürlich der Handlungsort: Es könnte auch deine Wohnung sein. Und später am Abend freut man sich dann vielleicht, dass die Nachbarn doch nur auf die übliche Weise übereinander herfallen.

Termine

  • am Donnerstag, den 15.04., um 20:30 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain 5
  • am Montag, den 19.04., um 18:30 Uhr im Babylon Mitte 2

Weitere Informationen zum Festival findet ihr bei BLN.FM oder auf der Festival-Website.

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