Peaches – Stripped-down Superstar

Im Februar überraschte Elektrorap-Chanteuse Peaches ihre Fans: sie wollte eine eigene Version der biblischen Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“ auf die Bühne bringen, in der sie jede Rolle selbst spielt. Einzige Unterstützung sollte ihr langjähriger musikalischer Partner Chilly Gonzales sein. Das hört sich verdammt ambitioniert an: ungefähr so, als wolle die Frau Wasser in Wein verwandeln während sie drüber läuft! Was sich im Vorfeld schwieriger erwies, waren die juristische Fallstricke des Projekts. Als die Leute, welche die Rechte für „Jesus Christ Superstar“ in Deutschland halten von der Aufführung erfuhren, sollte die Produktion sterben (wie Peaches in Twitter verkündete), um nach drei Tagen Verhandlungen wieder wiederaufzuerstehen. Joey Hansom interviewte Peaches zu diesen denkwürdigen Vorfall, welcher sehr gut zu der mittlerweile 40 Jahren umfassenden Werkgeschichte des Musicals passt. Die Originalmusik durfte von der BBC nicht gespielt werden. Die Musik wurde von religiösen Gruppen verurteilt und in den 1990ern spielte Amy Ray, die offen lesbische Sängerin der Indigo Girls die Rolle von Jesus! – Noch mehr über Peaches bekommt Ihr in der Expatriarch Radio #2 ab 9. April.

Was war da los? „Peaches Christ Superstar“ wurde erst angekündigt, dann hast du verkündet, dass es gestoppt wurde und jetzt klappt’s doch.

Wir wollten die Geschichte von Jesus Christ Superstar mehr wie ein Konzert gestalten. Deshalb glaubten wir, dass es nicht notwendig ist, die Rechte für Aufführung zu erwerben. Als dann die Werbung für das Konzert begann, meldeten sich die Rechteinhaber in Deutschland, beschwerten sich, dass wir sie nicht gefragt hätten und sagten, dass sie an der Idee nicht interessiert wären. Sie wollten uns nicht einen einzigen Song aus der Produktion nutzen lassen! Überlege mal, Jesus Christ Superstar ist eine Rock-Oper – im Kern eigentlich nichts weiter als die Musik.

Waren sie verärgert, weil Du sie nicht vorher gefragt hast? Oder lag es daran, dass Du eine provokante, sexuell offene Frau bist, die Jesus spielen wird.

Als Jesus Christ Superstar zum ersten Mal aufgeführt wurde, war es ein ziemlich ungewöhnlich. Einige Menschen fanden es wohl auch gotteslästerlich. Also sollte man annehmen, dass es die Rechteinhaber nicht schocken sollten, wenn jemand 2010 dem Ganzen was Neues abgewinnen will – genauso wie sie es vor 40 Jahren mit dem Stoff getan haben.

Vielleicht waren sie ja besorgt, dass du mit einem Bart sexier als Jesus ausschaust.

Ich wollte das Musical wirklich aufführen. Als mir dann gesagt wurde, dass ich das nicht tun kann und das Theater sagte, dass sie sich nicht darum streiten wollten, um ihre gute Beziehung zu den Rechteinhabern nicht zu gefährden, entschloss ich mich das Ganze zu twittern. Ich benutzte bewußt die catchy Überschrift „PEACHES CHRIST SUPERSTAR CRUCIFIED BEFORE OPENING NIGHT!“ [Peaches Christ Superstar vor der Premiere gekreuzigt.] Es ist unheimlich schade, wenn Menschen nicht wahrnehmen, mit welchen neuen Ansatz ich das Ganze aufführen wollte: das Musical reduziert auf die Musik, statt aufgetakelt mit Kostümen und Geld, Geld, Geld – worum es bei den Musicals heutzutage so geht.

Normalerweise bist Du ja bei Konzerten für konzeptionell durchdachte Kostümwahl bekannt. Wenn Du die einzige Person im Musical bist, wirst Du dann Kostüme wechseln? Wie werden sich die einzelnen Rollen unterscheiden?

Es wird alles sehr reduziert werden. Gonzales spielt alle Songs am Klavier und ich werde einfach dazu singen. Es wird keine ausgeklügelten Kostüme geben oder irgendetwas, was die Charaktere voneinander unterscheidet. Bei diesem Projekt werde ich die Geschichte nur durch meine Stimme erzählen.

Um noch mal zu Kontroversen um Jesus zurückzukommen: Elton John sagt im Februar, dass Jesus schwul gewesen sei.

Ich versuche rauszukriegen, warum er das gesagt hat. Vielleicht wollte er den Leuten die Vorstellung schwul zu sein einfach erträglicher machen. Er bräuchte solche Sachen nicht zu sagen – deshalb ist es schon ziemlich verrückt, dass er so einen Krawall verursacht. Er weiss ja, das so etwas Papst und religiöse Gruppen auf die Palme bringt.

„Peaches Christ Superstar“ featuring Chilly Gonzales

25./ 26./ 27. März 2010 / HAU1, Hallesches Ufer 32, Berlin-Kreuzberg, U-Bahn: Hallesches Tor

Wir verlosen 2×2 Tickets für „Peaches Christ Superstar“ am 26.3.!

Klicke hier, um mit dem Kennwort “PFIRSICH” an der Verlosung teilzunehmen. Einsendeschluss ist am 26.3.2010, 15h.

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