Mux Mool – Skulltaste

Mux Mool - SkulltasteAm Anfang regnet es Sternenstaub aus buntem Plastik, ungefähr so, als habe in einem japanischen Videospiel jemand ein Level erfolgreich gemeistert. Soviel sei schon gesagt: Mux Mools erster Longplayer „Skulltaste“ schmeckt nicht nach Schädel, sondern harmoniert sehr gut mit dem, was der Rezensent gerade zu sich nimmt – Kaffee und ein Pop-Tart, eines dieser unglaublich bunten amerikanischen Toaster-Törtchen mit Zuckerfüllung, Zuckerguss und Zuckerstreuseln.

Dass diese Assoziationen gar nicht so falsch sind, legen die diversen Promotexte nahe: Als Outsider, gefangen in der Provinz von Minnesota, bleibt für Brian Lindgren nur die Flucht in Musik, Videospiele und Star Trek. Ein „bekennender Nerd“ sei so aus ihm geworden, was ja viel bedeuten kann und nicht unbedingt unsympathisch ist. Nun essen Nerds auch gerne mal, neben der obligatorischen Pizza natürlich, buntes ekliges Zuckerzeug, während sie in der Festung ihres Heimes an Elektroplatten (und –geräten) herumschrauben. Der ganz große Wurf eines „introvertierten Geistes“ ist „Skulltaste“ zwar nicht geworden, aber Talent und Herzblut deuten sich durchaus an.

Insgesamt fließt die Platte ganz angenehm synthetisch vor sich hin – und lenkt dabei allerdings die Aufmerksamkeit des Zuhörers selten voll auf die Musik. Wenig sticht heraus aus dem instrumentalen Panorama aus trip-hoppigen Loops, netten Samples und eben Zuckerstreuseln. Der zweite Track, „Hog Knuckles“, bietet zwar ein hübsches polyrhythmisches Durcheinander, und der vorletzte Track („Crackers“) rockt und knarzt ganz schön, aber dazwischen breitet sich doch eine gewisse Mid-Tempo-Monotonie aus, in deren Mitte vielleicht noch das etwas schnellere „Get Better John“ und das comichaft düstere „Death 9000“ als Abwechslung zu nennen wären.

Doch soll hier keine Schelte erklingen – wir haben schon wesentlich schlimmere Interpretationen technoider Monotonie gehört. Nein, Mux Mool liefert uns hier ein vertontes Coffee-Table-Book, das man gut mal an einem Frühlingsnachmittag beim Kaffeetrinken hören kann. Ist hübsch und stört nicht, steht aber auch nix drin. Und wenn in besonders lichten Momenten kurze entfernte Anklänge an Mouse on Mars aufblitzen, freut man sich doch wieder, einen sympathischen Nerd zu kennen. Immerhin repariert er einem ohne Murren den Computer. Und lässt dabei unauffällig sein neues Album auf der Festplatte.

Hier eine kleine Preview des Albums:

[podcast]http://www.bln.fm/media/audio/previews/20100316_mix_muxmool.mp3[/podcast]

Tracklist:

  1. Ballad Of Gloria Featherbottom
  2. Hog Knuckles
  3. Enceladus
  4. Skulltaste
  5. Breakfast Enthusiast
  6. Dandelion
  7. Get Better John
  8. Wax Rose Saturday
  9. Death 9000
  10. False Worship
  11. 1st And 4th
  12. Wolf Tone Symphony
  13. SFW Porn
  14. Crackers
  15. Morning Strut

(Ghostly International)

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