RJD2 – The Colossus

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Die musikalische Laufbahn des 1976 in Oregon geborenen Ramble Jon Krohn beginnt mit dem Umzug nach Columbus, Ohio, im Jahre 1998, als er bei der lokalen Hip-Hop-Gruppe Megahertz hinter den Plattentellern steht. Der Spitzname RJD2 aus seiner Kindheit setzt sich übrigens aus den Initialen seines Namens und dem des bekannten Roboters R2D2 aus Star Wars zusammen.

2002 erscheint sein erstes Album „Deadringer“. Der darin enthaltene Song „Ghostwriter“ wird für einen Werbespot verwendet und steigert schnell seine Bekanntheit. Der Ritterschlag folgt, als Massive Attack auf den Hip-Hop-DJ und -Produzenten aufmerksam werden und einen Remix von ihm wollen. Auch genrefremde Musiker, wie Mitglieder von Radiohead und den Strokes zeigen sich begeistert von seinem Erstlingswerk und sehen ihn als den neuen DJ Shadow oder auch als Nachfolger Mobys. Wenige Jahre später kommt das zweite Werk „Since We Last Spoke“ heraus, dass eher eine Rocknummer ist und nicht mehr viel mit Underground-Hip-Hop gemein hat. Das nachfolgende Werk „The Third Hand“ wiederum wird ein reines Pop-Album.

RJD2 hat also gezeigt, dass er sehr vielseitig ist und sich nicht nur auf seine Wurzeln im Hip-Hop mit Soul- und Funkanleihen festlegen will. Nach zahlreichen Kollaborationen und Remixes für unter anderem Nightmares On Wax und U.N.K.L.E. erschien nun dieser Tage sein viertes Studioalbum „The Colossus“, das – zumindest dem Namen nach – riesig und bedeutend sein möchte und all diese Spielarten vereinen will.

Auch in diesem Album beweist RJD2 ein ausgeprägtes Talent für den Mix von Soul- und Funk-Samples mit Hip-Hop-Rhythmen. Zudem liefert er klasse Instrumentals ab, die in ihrer zugleich simplen wie auch diffizilen Machart einen hohen Wiedererkennungswert haben. Das macht RJD2 irgendwie auch aus. Das als Intro fungierende „Let There Be Horns“ ist dafür ein Beispiel, der rau-düstere Track „A Spaceship For Now“ ist ebenso gelungen. Mit seiner sphärischen Atmosphäre vermittelt er den Hörenden das Gefühl, sich aus dem Hier und Jetzt für ein paar Minuten entziehen zu können.

Allerdings sollte sich RJ, dessen Stärken vor allem im Produzieren liegen, nicht unbedingt selbst vors Mikro stellen. Denn Stücke wie „The Glow“, „Walk With Me“ und „Gypsy Caravan“ beweisen, dass aus ihm wohl kein talentierter Soulsänger mehr wird. Für einige Songs hat er sich deshalb Verstärkung mit ins Boot geholt. Namentlich sind das Aaron Livingston („Crumbs Off The Table“) und Phonte Coleman („The Shining Path“), sowie die Rapper  The Catalyst, Illogic und NP („A Son’s Cycle“). Dennoch sind diese Songs nicht außergewöhnlich originell und nutzen sich daher nach mehrmaligem Hören schnell ab.

Das letztgenannte, „A Son’s Cycle“, bietet dafür jedoch eine erfrischende Abwechslung in dem von Soul- und Funk-Instrumentals dominierten Album. Das soulige Stück „Games You Can Win“, das von Kenna gesungen wird, ist mein persönlicher Favorit und glänzt mit einem wunderbar eingängigen, schön vorgetragenen Refrain.

So richtig weltbewegend kolossal ist also die erste Albumveröffentlichung auf Rumble Jon’s noch relativ neuem Label RJs Electrical Connections nicht ausgefallen. Es fehlt etwas an der Einzigartigkeit, die RJD2 auf seinem Debüt noch ausgemacht hat. Das Produzieren von vielschichtiger, ausgetüftelter instrumentaler Hip-Hop-Musik beherscht er jedoch nach wie vor wie kaum ein anderer.

Hier eine kleine Preview des Albums:

[podcast]http://www.bln.fm/media/audio/previews/20100225_RJD2_the_colossus.mp3[/podcast]

Tracklist:

  1. Let There be Horns
  2. Games You Can Win (feat. Kenna)
  3. Giant Squit
  4. Salud 2
  5. A Spaceship For Now
  6. The Glow
  7. The Shining Path (feat. Phonte Coleman)
  8. Crumbs Off The Table (feat. Aaron Livingston)
  9. A Son’s Cycle (feat. The Catalyst, Illogic and NP)
  10. Tin Flower
  11. Small Plans
  12. Gypsy Caravan
  13. The Stranger
  14. Walk With Me

(RJs Electrical Connections)

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