Wie das Internet Labels und Journalisten in die Krise stürzt.

Die Umwertung aller Werte

Sandra Passaro (Stars & Heroes), Anna Ufer (play.fm), Barbara Hallama, Katrin Richter (raveline), Daniel Meteo (shitkatapult/ meteosound, flow.er booking), Sascha Kösch (de:bug)

In diesem Panel ging es um die Möglichkeiten und Herausforderungen von Facebook, myspace und Blogs auf die professionellen Kommunikatoren in der Musikszene: Labels und Journalisten. Das Internet ändert, wie Informationen durch das Internet fließen: konnten diese bei Radio und Zeitung leicht unter Kontrolle gehalten werden, sind durch das Internet viele Konsumenten auch zu Produzenten von Inhalten geworden: sie reichen Informationen und Meinungen zu Musik an ihre Freunde weiter – so das Fans häufig schon Bescheid wissen, bevor die Musik durch die offiziellen Kanäle gereicht wurde. Der Konsument ist immer zuerst da! Auf der anderen Seite werden Geschmacksrichter und Geschmacksmacher bei Labels, Agenturen und in der Presse leichter erreichbar für die hoffnungsvollen Heimproduzenten.

Für dieses Panel habe ich mich nicht zuletzt entschieden, weil ich alle Protagonisten bereits seit mehreren Jahren kenne und somit wusste, dass weitestgehend interessante Menschen aufeinander treffen würden. Ich muss allerdings zugeben, dass ich recht schnell enttäuscht war. Zwar war dieses Mal die vorherrschende Sprache Deutsch, so dass theoretisch auch eine Publikumsbeteiligung möglich gewesen wäre, jedoch sprang der Funke schon zu Beginn der Diskussionsrunde nicht so richtig über. Ich kann nicht mal genau festmachen, woran es denn nun lag. Sandra Passaro versuchte sich moderativ, wirkte aber eher unscheinbar und schaffte es über weite Teile nicht ein echtes Gespräch zu erwirken. Vielmehr gab es vor allem Einzelstatements der Diskutanten.

So empfindet Daniel Meteo das Internet als Fluch. Der Umsatz seines Labels Shitkatapult ging stark zurück, seitdem sich Filesharing ausgebreitet hat. Er stelle sich immer öfter die Frage, wozu man eigentlich im Zeitalter von „Do It Yourself“ -Artists noch Labels brauche. Schließlich übernehmen die ja gerne ihre Kommunikation selbst. Dazu kommt noch, dass bei der Geschwindigkeit, die Musik und Trends im Internet-Zeitalter haben, es für ein Label wie Shitkatapult nicht mehr möglich sei einen Künstler nachhaltig aufzubauen. Hingegen stellt er eine Renaissance der Musikverlage fest. Diese arbeiten als Anwälte und Geldeintreiber der Künstler, also setzen die Rechte durch. Im normalen Labelalltag seien die Auswirkungen des Internets deutlich zu spüren. So habe die Zahl der Demos massiv zugenommen. Irgendwie will er sich aber nicht durch den ganzen Wust durchhören – ist schließlich viel Scheiße darunter. Die meisten Tracks kämen ungefragt – und solche Sachen will man schon gar nicht haben.

Barbara Hallama stellt fest, dass man heutzutage meist sofort nach Fertigstellung einen Tracks zugeschickt bekommt. Und das betrifft nicht nur Künstler, sondern auch Radiostationen. Wenn im Radio dann Tracks laufen, welche Hörern gefallen, aber erst 2 Monate später offiziell im Handel erscheinen, empfänden das viele Hörer geradezu als Aufruf zur Piraterie. Katrin Richter stellt fest, dass in sogenannten Zweit- oder Drittweltländern Menschen geradezu angewiesen seien auf Musikpiraterie. An regulär veröffentlichte Tonträger käme man dort gar nicht erst heran, dafür sei der Postweg zu lang. Das würde sie bei ihrer Arbeit für Raveline spüren, denn sie lebt in Buenos Aires. Wenn CDs bei ihr angekommen sind, sei das Thema für Raveline meist schon durch.

Sascha Koesch stellt die These auf, dass vieles von der Krise in der sich die Labels heute befinden, von ihnen selbst verschuldet wurde. Über lange Zeit waren viele Labels aber auch einzelne Künstler viel zu arrogant im Umgang mit digitaler Musik. Der Satz „wir bleiben bei Vinyl“ war einfach überhaupt nicht zeitgemäß. Damit stimmte er Barbara Hallama zu, die zuvor schon geäußert hatte, dass es die Musikindustrie versäumt hatte, digitale Distributionswege zu nutzen.

Allgemein scheint auch in diesem Panel die Kommunikation sehr schwierig zu sein. Daniel Meteo beklagt, dass es unglaublich schwierig geworden sei, seine Promo noch an all die vielen Kanäle zu versenden und dass man nie wüsste ob etwas auch angekommen sei, denn nur selten würde ein Magazin oder ein Blog antworten. Sascha Koesch sagt hingegen, dass es ebenfalls sehr schwer sei, all die Promos zu empfangen. Alle Magazine und Blogs bekämen eigentlich nur Kram, den sie gar nicht wollen.

Ein Redner aus dem Publikum merkt an, dass Mund-zu-Mund-Propaganda als Weg der Musik-Empfehlung weitestgehend ausgestorben sei. Denn seiner Meinung nach würden sich Journalisten heutzutage nur noch auf Podcasts und digitale Bemusterung stützen. Das können nun alle auf den Podium Sitzenden gar nicht nachvollziehen.

Anwesend für BLN.FM: Tim Thaler, Tobey

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