Mathias Kaden – Studio 10

Mathias Kaden - Studio 10Eine deutliche Weiterentwicklung ist auf dem neuen Album „Studio 10“ von Mathias Kaden, erschienen auf  Vakant, zu hören. Waren seine vorherigen Produktionen eher minimal gehalten, stechen auf diesem Album immer wieder starke Einflüsse von Detroit Techno, Chicago House oder gar Jazz hervor.

Eingeleitet wird man mit dem vierminütigen „Intro Ducing“, welches einen in die erste von zwei Kooperationen mit dem Vocalist Gjaezon „State Of Statis“ überleitet. Umgeben von viel Wärme spricht Gjaezon in einem kritischen Text über dunkle Mächte zu den deepen Chords und der groovenden Percussion aus Schnippsern, Claps und dem metallenen Sound des Tracks. Eine weitere Kollaboration folgt mit Florian Schirmacher auf „Lowery“, das fast schon nujazzige Züge annimmt und mit Piano, Saxophon und der von Schirmacher gespielten Lowery-Orgel daherkommt.

Beim folgenden Titel „Panic Stricken“ kommen direkt Assoziationen zu Ludovic Navarre aka St.Germain aus Frankreich auf. Gefälliger Jazz-House, jedoch ohne klischeehaft zu werden. Dafür mit total relaxtem Bass, schönem Flügelhorn und der sanften Stimme von Ian Simmonds. Man fühlt sich direkt in einen kleinen verrauchten Kellerclub in Frankreich mit gedimmten Licht und schweren Samtvorhängen versetzt. Ein dezent pumpendes Grundgerüst aus einer 808 und diversen Field Recordings aus Kadens Studio mit Nägeln, Wasser, Türen und ähnlichem machen „Chazz“ aus. Ein Titel, der mich auch etwas an Matthew Herbert’s housigere Produktionen erinnert.

Nach dem wundervoll jazzigen Rhodes-Interlude „Defender“ wird es, im wahrsten Sinne des Wortes, feurig und perkussiv. Bei „Mascleta“ (traditionelles spanisches Feuerwerk) hört man die alten Synthies und diversen Maschinchen schön deutlich heraus, die Mathias Kaden unter anderem zur Produktion des Albums eingesetzt hat.

Von Spanien gehts mit „Kawaba“ direkt nach Tokyo. Dort wurden nämlich die Vocals der japanischen Popsängerin Tomomi Ukumori aufgenommen. Der Track ist eine Hommage an das im Kawaba-Gebirge stattfindende, sehr spirituelle Dubfestival „Labyrinth“. Eingebettet in dubbig verhallte Chords und massig Delay erzählt Ukumori, weshalb das Gebirge diesen Namen trägt.

Nach einem kleinen Ausflug zum Chicago-House im kurzen Skit „Roots“ kommt der wohl clubtauglichste Track des Albums. Eine knarzende Acid-Bassline windet sich immer wieder um die 808-Kick, der Shaker schüttelt sich mit leichtem Delay. Alles ohne großartige Schnörkel und Extras. „Ikenga“ groovt sich kühl und kompromisslos  nach vorne.

Beim vorletzten Track von „Studio 10“ lässt es Kaden noch einmal ruhig angehen und schraubt das Tempo von „Re Menor“ ganz nach unten. Einmal tief ein- und ausatmen, den Klängen der Violine von Claudia Ander-Donath und den gehauchten Vocals von Florian Schirmacher lauschen und genug Energie für den nächsten Track sammeln. Dieser nennt sich „1981“ und steht gleichzeitig für das Geburtsjahr von Mathias und dem seiner 808-Drummachine, die hier in bester Oldschool-Manier zusammen mit den detroitigen Chords und den Vocals von Gjaezon durch den Track läuft.

Ein schön abwechslungsreiches Album, dem man die Liebe zu den Wurzeln von House und Techno und überhaupt die Liebe zur Musik im allgemeinen immer anhört und das die erstaunlich vielen musikalischen Facetten von Mathias Kaden aufzeigt.

Hier eine kleine Preview zum Album:

[podcast]http://www.bln.fm/media/audio/previews/prelistening_matthias_kaden_studio_10.mp3[/podcast]

Tracklist:

  1. Intro Ducing
  2. State Of Stasis (feat. Gjaezon)
  3. Lowery (feat. Florian Schirmacher)
  4. Panic Stricken (feat. Ian Simmonds)
  5. Chazz
  6. Defender (feat. Lars Mäurer)
  7. Mascleta
  8. Kawaba (feat. Tomomi Ukumori)
  9. Roots
  10. Ikenga
  11. Re Menor (feat. Florian Schirmacher)
  12. 1981 (feat. Gjaezon)

(Vakant)

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